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NEUSIEDLERSEE: Bei gutem Wetter geliebt, bei Sturm gefürchtet
WIND & WELLE

Am Schnittpunkt zwischen Alpen und Puszta


Im äußersten Osten Österreichs, am Schnittpunkt zwischen Alpen und Puszta, befindet sich ein großer Steppensee, von dem böse Zungen behaupten, es handle sich bloß um ein mächtiges Reisfeld. Wer aber jemals am Neusiedlersee gesegelt ist, weiß um die Qualitäten des seichten Gewässers Bescheid. Der Neusiedlersee hat nämlich eine eingeschworene Fangemeinde, die das beste Segelrevier Österreichs schätzt, liebt, verteidigt, aber auch fürchtet.
In den schönen Monaten herrscht eine ausgelassene Stimmung rund um den See, wie sie nur Puszta, pannonische Küche und unzählige Buschenschänken so trefflich erzeugen können. Land und Wein gedeihen dank der hohen Sonnenscheindauer besonders gut und im schattigen Garten, unter Weinlaube, schmecken G´spritzter und Schmalzbrot besser als anderswo.

Grundsätzlich beherrschen zwei Winde den See: der „Nordwest“ und der „Süd“. Der Nordwest-Wind weht bei Westwetterlage kräftig mit Stärken von vier bis sieben Beaufort. Besondere Vorsicht ist an heißen, schwülen Sommertagen geboten, die heftige Gewitter mit sich bringen können. Die Opfer einer traurigen Seestatistik zeugen von Sturmböen, die kurzzeitig mit 10 bis 12 Beaufort über den See fegen können und mit Blitzschlag zu lebensbedrohenden Situationen führen. Dazu kommt noch der extreme Seegang. Es gibt in jeder Seegemeinde eine gut funktionierende Sturmwarnung, die mit Blinklicht die Segler und Wassersportler warnen.
HAUSMEER DER WIENER: Bei gutem Wetter wimmelt es von Surfern und Seglern
Der zweite wichtige Wind des Neusiedlersees ist der Südwind, der weit und breit als der schönste Segelwind gilt. Er weht oft tagelang mit drei bis sechs Beaufort aus konstanter Richtung. Für Regatten ist dieser Wind einfach ideal. Wer den „Süd am See“ nicht kennt, muss sich folgendes vorstellen: herrlicher Sonnenschein, 26 Grad Wassertemperatur, 30 Grad Lufttemperatur und eine frische Brise mit fünf Windstärken. Seglerherz, was willst Du mehr ?

Ein Thema das immer wieder über die Stammtische diverser Seglertreffs geistert, ist die gefürchtete Neusiedler-See-Welle. Sie ist aufgrund des seichten Gewässers extrem kurz und steil und praktisch für alle Boote - selbst für Katamerane - sehr unangenehm. In Extremfällen soll zwischen den Wellentälern sogar manchmal der Seeboden (!) sichtbar sein. Bei solchen Bedingungen gibt es viel Spritzwasser und das Segelvergnügen bei Welle ist meist ein Nasses. Durch die geringe Wassertiefe sind die Boote auch generell langsamer als in tiefen Gewässern. Speziell Gleitboote leiden unter dem Effekt, der mit dem Wort Festsaugen beschrieben wird.

Durch Unterschneiden eines Buges besteht bei Katameranen überdies große Kentergefahr und Überschläge enden meist in dem seichten Gewässer mit Riggschäden, da sich der Mast ruckartig in der Matsch des Seebodens bohrt.
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