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SCHLEUSE BEI HINDELOOPEN: Das Warten
ist oft ein Gemeinschaftserlebnis |
FRIESLAND
Wo Holzschuhe vom Himmel fallen Der Wind sortiert die Gartenmöbel an Deck neu, als wolle er die Sitzordnung für den Nachmittagskaffee noch mal ändern. Böen kräuseln das Wasser des Meinesloot-Kanals bei Akkrum, treiben Segler unterm stahlblauen Himmel vor sich her und zerren alle paar Minuten frech an den Tampen, mit denen die "eigene" Yacht gerade am Ufer vertäut ist: erste Fahrtpause auf Hausboot-Urlaub in den Niederlanden.
In der Kanalmitte rangiert unterdessen ein Kahn derselben Baureihe hektisch, um im dritten Anlauf einen Steg am gegenüberliegenden Ufer so zu erwischen, dass es keine Trümmer gibt. Die Schiffsschraube quirlt im Rückwärtsgang das Wasser schaumig, das Bugstrahlruder erregt den quakenden Protest einer Entenfamilie. Ist das fremde Boot endlich festgemacht, kann man souverän einen genickten Gruß hinüberschicken. Von Seebär zu Seebär quasi. Gut nur, dass vor zehn Minuten keiner in der Nähe gewesen ist, um das erste eigene Anlegemanöver zu belächeln...
In niederländischen Gewässern ist für Freizeitskipper kein Bootsführerschein erforderlich. Das lässt viele Landratten einen ersten Versuch als Kapitän auf Zeit in den Kanälen und Grachten vor allem zwischen Sneek und Leeuwarden in der Provinz Friesland gut 90 Kilometer nördlich von Amsterdam wagen. Und den Bootsverleihern sichert es boomende Geschäfte.
Nach einer kurzen Einweisungsfahrt ist man auf sich gestellt, kann vom Steuerstand unter Deck oder vom Freideck aus lenken, gibt mit einem Hebel Gas oder drosselt das Tempo, bremst mit dem Rückwärtsgang, manövriert mit Hilfe des Bugstrahlruders. Eine annähernd quadratmetergroße Wasserstraßenkarte mit der Übersichtlichkeit eines Strickmusterbogens weist in der Theorie den Weg, während er in der Praxis von Lust und Laune, von Wind und Wetter bestimmt wird.
Drei Doppelkabinen mit Dusche und Toilette hat beispielsweise ein Hausboot der "Crusader"-Baureihe, dazu Bordküche, Salon mit Sitzecke und das Freideck. Knapp zwölf Meter lang ist so ein Kahn, fast vier breit, 3,40 Meter hoch - Eckwerte, die man sich spätestens dann merkt, wenn man das erste Mal vor einer zwanzig Zentimeter zu niedrigen Brücke auf engem Raum wenden muss und sich wieder eine quakende Entenfamilie über das gewagte Manöver beschwert.
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| HAUSBOOT: Ein schwimmendes Appartment mit allem Komfort |
Spätestens am zweiten Tag ist man so weit, dem Strickmusterbogen alle Geheimnisse rechtzeitig zu entreißen - zum Beispiel jenes, wonach die Durchfahrtshöhen der Brücken in Dezimeter angegeben sind. Wenn ein Holzschuh vom Himmel fällt, lernt man schnell, muss man das Tempo drosseln, eilig nach ein paar Euro kramen und sie in den Schnitztreter stecken, der daraufhin wieder an Höhe gewinnt. Ein eigentümlicher Brauch, der immerhin zur Folge hat, dass sich Klappbrücken öffnen. Der Schuh hängt am Seil und ist so etwas wie die Wegegeld-Kasse, die niederländische Brückenwärter auf vorbeifahrende Boote herableiern.
Immer wieder sind im pfannkuchenplatten Nirgendwo der Provinz Friesland Holzpflöcke in den weichen Uferboden gerammt und Stege im seichten Wasser verankert, ohne dass dahinter ein Weg ansetzt. Schilder weisen diese Plätze als kostenlose Nachtlager für Schiffe aus. Schon auf der Wasserstraßen-Karte lassen sich die einsamsten davon ausfindig machen - weit abgelegen irgendwo im Naturschutzgebiet von Princenhof zum Beispiel, wo viele Kanäle für die Lastschuten der Binnenschiffer zu schmal sind und es nachts so still ist wie am fünften Schöpfungstag, als es den Menschen und das Bier noch nicht gab.
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