Kanaren Yacht Charter - Auf Halbwindkurs bei 4-5 Bft schaffen wir 11,4 Knoten

Auf Rauschefahrt in Rasmus Reich

Nach zahlreichen kalten und nassen Nord- und Ostsee-Törns versprach uns der Revierführer für die Kanarischen Inseln so einiges: Die durchschnittliche Windstärke des NE-Passat beträgt für das Seegebiet um die Kanaren 15 – 20 kn also etwa 5 bis 6 bft, was jedoch nicht für die Gebiete gilt, die im Einflussbereich der Inseln liegen. Die Passatwinde werden durch die hohen Landmassen in den Kanälen zwischen den Inseln wie in Düsen zusammengepresst und durch den Venturieffekt beschleunigt. Die Windzunahme beträgt oft gut 10 bis 15 kn, was ca. 3 bft bedeutet, Wellenhöhen bis 6 m sind nicht ungewöhnlich.

Kanaren Yacht Charter - Auf Halbwindkurs bei 4-5 Bft schaffen wir 11,4 Knoten

Kanaren Charter: Topspeed – Auf Halbwindkurs bei 4-5 Bft schaffen wir 11,4 Knoten

Dies hört sich vielleicht wie ein unberechenbares Inferno an, doch die Starkwindzonen sind gut bekannt. Mit einem seetüchtigen Schiff und einer gut vorbereiteter Mannschaft ist das Segeln dort eher ein Genuss. In welchem Segelrevier gibt es schon garantierten Starkwind bei Sonnenschein? Ob dem so ist, sollte uns der diesjährige Segeltörn zeigen.
Mit dem Großraumtaxi wird die Crewmitglieder ab 5 Uhr früh in Krefeld aufgesammelt und zum Flughafen Düsseldorf gefahren. Der Flug mit Lufthansa über Madrid bzw. Barcelona (Helmut flog als Nachrücker östlich um die Pyrenäen) ist bis auf die 4-stündige Wartezeit auf die Anschlussflüge problemlos. Beide Maschinen landen fast zeitgleich in Las Palmas auf Gran Canaria, so dass am Nachmittag die Crew wieder vereint ist.
Bei der Gepäckausgabe muss Horst leider feststellen, dass seine Tasche mit allen Segel- und Anziehsachen fehlt. Entweder ist sie bei der Zwischenlandung hängen geblieben oder sie reist ab jetzt ohne Skipper um die Welt. Der bestellte Mietwagen fasst zwar die angekündigten 7 Personen – aber nur ohne Gepäck. Um noch größere Verluste zu vermeiden fährt Peter das Gepäck mit Horst, Bernd und Helmut zum Hafen Muelle Deportivo, Las Palmas, um die Oeding zu übernehmen.
Gegen 21 Uhr kommt die Einkaufscrew um Smut Ulrich – Peter, Doris und Gerhard – mit einem gewaltigen Einkauf von Proviant und Getränken zur Oeding. Nach Einteilung der Kojen und dem Verstauen der Vorräte fahren wir mit dem Leihwagen zum Stadtstrand Las Canteras, um das bekannte Fischrestaurant Julio zu finden. Nach längerer Suche finden wir das Restaurant in der Straße La Naval. Nach dem strapaziösen fast 24-Stundentag genießen wir die kulinarischen Köstlichkeiten des Landes mit gutem Rotwein. Als Vorspeise gab es Tomatenscheiben mit Knoblauch und zum Hauptgang gönnen wir uns Dorade in Salzkruste mit kanarischen Kartoffeln und frischem Salat. Unser Geburtstagskind Peter lassen wir ordentlich hochleben. Gesättigt geht es dann zur Oeding zurück, wo wir mit einem Portwein als Absacker den anstrengenden Tag und den schönen Abend ausklingen lassen.
1.Schlag: Sonntag – 16.05.2004: Las Palmas / Muelle Deportivo (Gran Canaria) – Puerte de las Nieves: 33,3 sm – 5 h 35 min: Unser neuer Smut Ulli führt die schon alte Tradition mit der Zubereitung eines opulenten Frühstücks fort. Somit ist die Grundlage für eine hervorragende Stimmung der Mannschaft gesorgt. Nur die Tasche vom Skipper fehlt immer noch. Nach dem Frühstück erfolgt die Einweisung in die sicherheitstechnischen und nautischen Einrichtungen der Oeding. Gegen 13:30 wird endlich die fehlende Tasche von Horst an Bord geliefert – welch ein Service der Spanair! – oder war sie unserem Skipper nur zu schwer? Nach dem Peter den Leihwagen zurückgegeben hat, können wir endlich ablegen.
Mit “Hoch-am-Wind”-Kurs verlassen wir Las Palmas in nordöstlicher Richtung. Nach Passage des Kap’s de la Vieja fieren wir die Segel, um auf angenehmem Halbwindkurs entlang der Nordküste Gran Canarias zu segeln. Sonnenschein und flotte 6-7 Knoten bringen uns zur nordwestlichen Landmarke Punta Sardina. Für die Südkursänderung zeigt die Crew eine saubere Halse und zu unserem Glück dreht der Wind auf ENE. Das Anschlagen des Bullenstanders und Ausbaumen der Genua kann somit entfallen.
Der kleine Hafen de las Nieves ist sichtlich nicht auf Gästeyachten eingestellt. An einer hohen Kaimauer machen wir die Oeding fest. Zum Glück liegen wir an langen Festmacherleinen, so dass der unerwartete Tidenhub von fast 2 m keine negativen Auswirkungen hat. Mit einem guten Essen an Bord klingt der erste Segeltag aus.
2.Schlag: Montag – 17.05.2004: Puerte de las Nieves – Puerto Colón (Teneriffa): 60,7 sm – 8 h 50 min: Unser Chefkoch hat mittlerweile die Vorbereitung des Frühstücks an die Backschaft delegiert und kann sich jetzt höheren Aufgaben zuwenden. Nach dem trotzdem opulenten Frühstück legen wir bei Sonnenschein und guter Stimmung ab, um zur Südspitze von Teneriffa zu segeln. Mit moderaten Winden aus nordöstlichen Richtungen können wir einen angenehmen Halbwindkurs fahren. Mit dem markanten Kegel des 3.718 m hohen Pico de Teide steuerbord voraus üben wir heute eine so genannte “Gipfelkreuz-Navigation” und können problemlos unser heutiges Ziel Teneriffa ansteuern. Sonne, Wind und Wellen und eine Gruppe Delphine geleiten uns über das Meer.
Wie auf Gran Canaria hängt auch über Teneriffa eine dichte Wolkendecke. Im Hafen Los Cristianos drehen wir eine Runde und stellen fest, dass Segler nicht willkommen sind. Wir motoren weiter zum nah gelegenen Hafen Puerto Colón und machen die Oeding an der Tankstelle fest, da auch dieser Hafen keine Gästeplätze aufweist. Colón heißt aus dem Spanischen übersetzt Kolumbus, der von den kanarischen Inseln 1492 seine Entdeckungsreise startete. Gerd, einer unserer Mediziner an Bord, nennt uns die medizinische Übersetzung: Colón gleich Dickdarm, womit auch die Frage nach dem Ei des Kolumbus endlich geklärt wäre. Puerto Colón ist ein typischer Touristenort mit Appartementanlagen und Hotels und einer kilometerlangen Vergnügungsmeile auf mindestens 3 Ebenen.

Kanaren Yachtcharter - Der Pico de Teide auf Teneriffa ist von Gomera aus gut zu erkennen

Kanaren Yachtcharter: Höchster Berg Spaniens – Der Pico de Teide auf Teneriffa ist von Gomera aus gut zu erkennen

3.Schlag: Dienstag – 18.05.2004: Puerto Colón – Playa de Avalo (Gomera): 21,5 sm – 7 h 40 min: Gegen 7 Uhr weck Skipper Horst die Crew mit den bekannten Liedern vom SkBUe Shanty-Chor, damit rechtzeitig der Tankstellenplatz verlassen werden kann. Der überaus unfreundliche Tankwart macht mit deutlichen Gebärden klar, dass wir in 10′ den “Liegeplatz” zu verlassen hätten. Mangels Spanischkenntnissen und unter Verzicht der Hafengebühr lassen wir uns auf keine Diskussion ein und verholen die Oeding in die Marina neben einen Katamaran.
Leider bewahrheitet sich der Name “Colón” in Form einer verstopften Toilette, die Horst unter Missachtung aller Warnungen seiner Nase repariert. Nach einem ausgiebigen Frühstück legen wir ab und segeln bei klarem Wetter und schwachem Wind in Richtung La Gomera. Nach ausführlicher Diskussion über die Stärke des Seegangs zwischen Skipper und Co-Skipper, 0 oder doch 1-2, frischt der Wind auf und Gomera kommt mit verlockender Perspektive näher.
Die Stimmung ist großartig, das Wetter herrlich, alles ist ruhig, als der gellende Ruf des Skippers “Fender über Bord” alle aus der Lethargie schreckt. Nach einem fast perfekten “Fender-über-Bord”-Manöver setzen wir die Fahrt fort, um dann noch in ein “Quick-Stop”-Manöver eingewiesen zu werden. Schon ist die Mittagszeit erreicht und wir legen die Oeding bei. Doris und Ulli zaubern uns eine leckere Vorabendmahlzeit.
Ohne navigatorische Probleme erreichen wir die malerische Bucht “Playa de Avalo”, der Unterwasserriffe vorgelagert sind. Die Bucht liegt ca. 2 sm nördlich von San Sebastian und ist in der Seekarte nicht als Ankerbucht eingezeichnet. Das Ankermanöver klappt auf Anhieb und bei gutem Ankergrund sitzt der Anker sofort. Leider verfallen Smut und Skipper auf die unselige Idee, alle zum Schwimmen zu animieren, dem sich schließlich alle bis auf Doris nach anfänglichem Zögern anschließen. Nach Hühnerfrikassee mit Spargel und Champignons und einigen “Sun-Downern” geht ein herrlicher Segeltag zu Ende.
4.Schlag: Mittwoch – 19.05.2004: Playa de Avalo – San Sebastian: 3,0 sm – 1 h 25 min: Nach der Ankernacht, die einige Crewmitglieder zum ersten Mal erleben, beginnt der Tag mit einem wie immer reichhaltigem Frühstück in der Plicht. Smut und Skipper lassen es sich nicht nehmen, in der lauschigen Bucht noch ein Bad zu nehmen. Als Tagesziel ist San Sebastian vorgesehen, dem geschichtsreichen Hafen, von dem Kolumbus 1492 in See stach. Nach einem kurzen Schlag von 3 sm erreichen wir die Hafenmole.
Weil sich zeitgleich eine Katamaranfähre der Hafeneinfahrt nähert, gibt Rudergänger Peter kräftig Gas und zeigt allen Crewmitgliedern, wer hier die Privilegien besitzt. Auf Grund der widrigen Windverhältnisse ist das Anlegen im engen Hafen eine Herausforderung für den Skipper. Souverän gelingt das Anlegemanöver.
Nach ausgiebigem Gebrauch der gediegenen Sanitäranlage geht es zum Marktplatz, wo wir unter einem riesigen Lorbeerbaum an einem Cafe platznehmen. Nach dem Genuss diverser Getränke flanieren wir durch den Ort, um das spanische Flair zu erleben. Über serpentinenreiche Gassen gelangen wir auf das 70 m oberhalb des Hafens gelegen Parador-Hotel “Nacional Conde de la Gomera”.
Wir sind beeindruckt von der weitläufigen Hotel- und Gartenanlage mit seiner exquisiten Atmosphäre. Die Anlage im kastilischem Stil zählt zu den schönsten Häusern der spanischen Hotelkette und ist ein Nachbau der Anlage des ersten Grafen von Gomera, Herman Peraza. Von der palastartigen Anlage mit mehreren Innenhöfen hat man einen fantastischen Blick auf den Hafen und auf die benachbarte Insel Teneriffa mit dem alles überragenden Pico de Teide.
Nach einer kleinen Erfrischung geht es weiter zu einem Friedhof, wo wir die Liebschaft von Christoph Kolumbus suchen, aber nicht finden. Im weiteren Verlauf teilt sich die Gruppe. Während die Restcrew zufrieden und müde zur Oeding zurückgeht, wollen Horst und Ulli noch einmal die Bucht Playa de Avalo aufsuchen. Im Nachhinein stellt sich dies als ausgedehnte Wanderung dar. Vom Friedhof geht es zunächst zum Leuchtturm de San Cristobal und weiter auf schmalem Weg oberhalb der steil abfallenden 100 m hohen Klippe. Nach der nächsten Wegbiegung lernen wir die tiefeingeschnittenen Täler kennen. Mit jeder Wegbiegung wird der Weg länger und der wandernde Seefahrer durstiger.
Irgendwann erreichen wir die Klippe über der malerischen Bucht, die ihren Dornröschenschlaf auf Grund der regen Bautätigkeit wohl bald beendet haben wird. Der Tag findet seinen Ausklang mit einem gemeinsamen Essen in einem blaugetünchten Restaurant mit exquisitem Ambiente. Mit dem angebotenen landestypischen Gericht Kaninchen sind nicht alle zufrieden.
5.Schlag: Donnerstag – 20.05.2004: San Sebastian – Valle Gran Rey: 48,2 sm – 11 h 5 min: Ein weiterer Segeltag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstück. Damit diese Vielfalt auch in den nächsten Tagen gewährleistet bleibt, muss die Einkaufscrew nochmal nachbunkern. Unser Kellermeister Bernd macht auch auf das Auffüllen gewisser Weinvorräte aufmerksam, zumal ihm eine Sorte nicht mundet. Nach diesen wichtigen Vorbereitungen, einschließlich der Reinigung von Deck und Plicht, können wir gegen Mittag die Leinen loswerfen mit Kurs “Valle Gran Rey” auf der anderen Seite der Insel.
Im Yachthafen bereiten wir Rasmus nicht ganz uneigennützig eine besondere Freude: Ulli wird zum Tauchgang unter die Oeding geschickt. Grund: der Impeller der Logge klemmt. Weitere Schwierigkeiten kommen hinzu, da sich die Genua nicht ausfahren lässt. Nachdem alles klariert ist, geht es weiter auf Südkurs um die Insel. Als infolge der Landabdeckung der nördliche Wind mehr und mehr einschläft, entschließen wir uns La Gomera doch besser nördlich zu runden.
Bei einem ruppigen “Am-Wind-Kurs” bei 5 Bft geht es gegen die Düse zwischen Teneriffa und La Gomera. Schluss mit lustig, schnelles Reffen und Wende-Intensiv-Training ist angesagt. Nach etlichen Kreuzschlägen erreichen wir mit “Punta del Organa” die Nord-Westseite von La Gomera. Los Organos ist eine Säulenbasalt-Formation von imposantem Ausmaß, die, wie der Name es sagt, einer gigantischen Orgel gleicht. Auf Bb-Seite das steinerne Naturwunder und vis-á-vis ein malerischer Sonnenuntergang. In solchen Augenblicken pflegt Skipper Horst stets zu sagen: “Und das bekommt Ihr alles für 440,- € geboten!”
Nach Sonnenuntergang zauberen Ulli und Doris aus den Regalen der Knorr-Versuchsküche ein schmackhaftes Gericht. Die Ansteuerung des Hafens Vueltas – “Valle Gran Rey” in der Dunkelheit fordert die Crew noch einmal. Eine vorgelagerte neue Hafenmole vor der Hafeneinfahrt und eine unbekannte Westuntiefentonne, die in der Seekarte nicht aktualisiert sind, sowie die steilabfallende über 100 m hohe Felswand gerade voraus sorgen für reichlich Spannung. Souverän meistern wir diese Unzulänglichkeiten. Für die nichtvorhandenen Sanitäreinrichtungen und den ständigen Schwell im Tidenhafen an der hohen Kaimauer müssen wir 23,- € berappen. Zusätzlich beeinträchtigt Baulärm der EU-geförderten Hafenerweiterung den Aufenthalt.
6.Schlag: Freitag/Samstag – 21./22.05.2004: Valle Gran Rey – El Hierro – San Sebastian: 107,5 sm – 26 h 35 min: Die Sonne klettert langsam über den steil aus dem Meer aufragenden Felsen und weckt die Crew der Oeding zu moderater Stunde. Landgang bis 18 Uhr, danach Ablegen zur Insel El Hierro lautet der gemeinsame Beschluss. Mit rund 2 m Tidenhub im Wechsel der Gezeiten zerrt dir am Pier von Valle Gran Rey festgemachte Oeding ganz ordentlich an den Leinen. Der Skipper bleibt deshalb an Bord, als die Crew aufbricht, um Flora und Fauna der Insel zu erkunden.
Nach 30-minütigem Fußmarsch erreichen wir die Finca Argaga mit dem tropischen Fruchtgarten der deutschen Roswitha Schrader. Seit 1985 hat die Aussteigerin mit viel Liebe und sicherlich unzähligen Mühen aus einer Stein- und Geröllwüste ein echtes Öko-Paradies geschaffen, das die Vielfalt exotischer Früchte insbesondere der Kanaren, aber auch der weiter entfernten subtropischen Ländern widerspiegelt. Black Sapotas, die Früchte, die alles schwarz färben, und Guarven aus der Familie der Mangroven haben es der Crew besonders angetan. Nach zahlreichen Kostproben geht es zurück in den Ort Vueltas zum Mittagessen.
Vorher lösen Peter und Doris den Skipper ab. Um 18 Uhr Ortszeit legt die Oeding ab mit Kurs auf El Hierro. Zunächst kommen wir mit mäßigen Brisen aus westlichen Richtungen gut voran. Doch was zunächst wie der Effekt durch Landabdeckung aussieht, bewahrheitet sich einige Meilen später: Kein Wind. Mit der “Eisernen Genua” dieseln wir bis zum südlichsten Punkt der Insel La Restinga. Morgens um 4 Uhr machen wir die Oeding an der Pier im Hafen La Restinga fest.
Ein starker, aus Süden kommender Atlantikschwell mit mehr als einem halben Meter Hub dringt ungeschützt in den Hafen und zerrt kräftig an den Festmachern und Fendern. Die Oeding wird ständig einige Meter vor- und zurückgerissen. Als dann noch ein Kugelfender ausreißt, legen wir notwendigerweise wieder ab, um eine Seemeile südlich vor dem Hafen dümpelnd den Sonnenaufgang für ein Ankermanöver in der benachbarten Bucht abzuwarten.
Nach Sonnenaufgang motorten wir in die im Revierführer beschriebene Ankerbucht Bahia de Naos. Die 10-m-Linie liegt sehr nahe an der Felsküste und der Grund besteht aus riesigen Steinen. Um nicht auch noch den Anker zu verlieren, brechen wir das Ankermanöver ab. Noch während wir beratschlagen, wohin wir die Reise fortsetzen, bekommen wir Besuch von der Küstenwache, die uns bittet, wegen der inzwischen eingerichteten Naturschutzgebiete hier nicht zu ankern. So nehmen wir Kurs auf den zweiten Hafen der Insel Puerto de la Estaca, 12,5 sm weiter nördlich.
Unter Motor erreichen wir den Hafen, in dem zurzeit EU-geförderte Bauarbeiten zur Hafenerweiterung stattfinden. Wir dürfen für 1 Stunde an der Kaimauer festmachen, um uns mit frischem Brot zu versorgen. Puerto de la Estaca ist zwar der Versorgungshafen der im Innern der Insel gelegenen Inselhauptstadt Valverde, bietet aber außer einem Bistro-Container der Olsen-Fährlinie nichts, gar nichts. Da nach den Unterlagen der Vor-Crews die Hafen-Situation auf La Palma ähnlich bescheiden seien muss, verzichten wir auf eine Weiterfahrt zur nördlichsten Insel der Kanaren und ziehen die uns bekannte Marina in San Sebastian vor.
Leider ist uns Rasmus auch weiterhin nicht wohl gesonnen, und auch Doris lässt sich nicht opfern, so dass uns bei herrlichem Sonnenschein nur die 51 PS des Yanmar’s nach San Sebastian bringen. Am Ende des Tages haben wir fast 60 sm mit Motorkraft zurückgelegt. Die einzige Freude dieses Sonnentages bereitet uns eine Gruppe Wale, die uns etwa 0,2 sm entfernt, majestätisch an Stb. passiert.
Hafentag: Sonntag – 23.05.2004: San Sebastian: Der heutige Tag beginnt bei Helmut mit Magenschmerzen. Unser wie üblich opulent ausfallendes Frühstück lässt er links liegen und legt sich wieder in die Koje. Auf den von ihm lang ersehnten Landausflug muss er verzichten. Die Frage Mietwagen, Bus oder zu Fuß löst Gerd mit einer Taxirundfahrt – 3 Stunden und 2 Taxen á 50 €. Wie zu Erwarten geht es sehr zügig über kurvige Straßen in die Höhe.
Hoch oberhalb der Küste legen wir den ersten Stop ein – vis-a-vis dem inzwischen schneebedeckten Pico de Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa. Und weiter schrauben wir uns in die Berge, vorbei an Terrassenanlagen mit Kartoffeln, Wein und Bananen, durch den Ort Hermigua zu dem hoch über dem Atlantik gelegenem Ort Agula. Ein traumhafter Blick über weiße Häuser, grüne Terrassen auf das tiefblaue Meer.
Von hier geht es auf schmalen Wegen ins Landesinnere, dem Nationalpark Garajonay – ein fast 4.000 ha umfassendes Urwaldgebiet. Die Feuchtigkeit bezieht der Urwald direkt aus den Wolken, die hier in 1.200 m Höhe wie Nebel durch die Bäume ziehen. Im Besucherzentrum geben Schautafeln Einblicke in die Geologie und die Entstehung der kanarischen Vulkaninseln. Über die Laguna Granda (Skipper Horst wird hier von Einheimischen zum Grillen eingeladen, während die andern mit den Taxis warten) geht es weiter zum 1243 m hohen Basaltsockel La Fortaleza und weiter nach San Sebastian.
Oberhalb von Ort und Hafen der letzte Fototermin, dann geht es in Kurven abwärts zum Meer. Während sich ein Teil der Crew zum Bummeln in den Ort abmelden, nutzen Horst und Ulli den Rest des Tages für ein kühles Bad im Atlantik und ein Sonnenbad im schwarzen Vulkansand. Anschließend gibt es fangfrischen Fisch in der Sozialküche des Ortes – “Instituto Sozial de San Sebastian”.
7.Schlag: Montag/Dienstag – 24./25.05.2004: San Sebastian – Santa Cruz (Teneriffa): 82,1 sm – 18 h 45 min: Nach dem Wecken und einem schnellen Frühstück geht es zunächst zu dem weit entfernten Supermarkt, um fehlende Lebensmittel einzukaufen. Besonders die dringend benötigten Grundnahrungsmittel Bier und Wein müssen nachgebunkert werden. Um 10 Uhr legten wir planmäßig ab, um noch im Hafen festzustellen, dass der Impeller der Logge wieder einmal streikt. Also muss Ulli wie schon früher im Vorhafen über Bord, um den Schaden zu beheben. Rasmus verschmäht das Menschenopfer Ulli, um dann aber unser Jerez-Opfer anzunehmen.
Nachdem sich der Wind zunächst nicht entscheiden konnte, wohin er uns treiben soll, können wir dann doch den Kurs zur Nordwestspitze Teneriffa anlegen. Mäßige Briese von Achtern lässt Skipper Horst nicht eher ruhen, bis der Spinnacker sich lustvoll vor dem Bug des Schiffes bläht. Bei herrlichem Wetter und Traumschiffambiente wird der Wind immer zögerlicher und auch der angekündigte Nordwest-Wind will sich nicht einstellen.
So werden unsere Träume in gleißender Sonne durch lautes Motorengeräusch zerstört. Parallel zur Nordküste geht es weiter mit Kurs Ost. Nach Einteilung der Wachen geht es mal wieder in eine wunderbare, sternenklare Nacht. Gegen 23 Uhr erreicht uns endlich der der NW-Wind. Mit einer sauberen Halse um die NE-Landmarke von Teneriffa Roque de Fuera segeln wir in der Düse mit 6-7 kn Kurs Süd. Leider macht sich schon bald die Landabdeckung bemerkbar und wir müssen die restlichen Meilen bis Santa Cruz motoren. Um 4:45 erreichten wir die Marina Puerto Atlantico und werden von den Hafenangestellten freundlich begrüßt. Nach der Anmeldung verholen wir die Oeding in die Nähe des Sanitärkomplexes.
Nach ein paar Stunden Schlaf und bei Tageslicht besehen, entpuppen sich die Sanitäranlagen als heruntergekommene Container – die Außenwände aus Resopalplatten, von Wind und Wetter zerfressen, im Innern alles aus Plastik im Stil der früheren DDR-Ära und ebenfalls in einem erbärmlichen Zustand. Den Rest des Tages nutzt die Crew einzeln oder in kleinen Gruppen, um die Metropole zu erkunden und die Mitbringsel für die Lieben daheim zu erwerben. Insbesondere die Markthalle und die wunderbaren Parkanlagen laden zum Schlendern und Verweilen. Horst und Ulli besuchen das naturhistorische Museum.
8.Schlag: Mittwoch – 26.05.2004: Santa Cruz – Puerto de Mogan (Gran Canaria): 47,4 sm – 6 h 50 min: Mit Shantys vom Skipper wird die Crew etwas früher geweckt, um wohlgelaunt einen neuen Segeltag einzuläuten. Das Wetter zeigt sich mit Windstärken von 4-5 Bft von der besten Seite. Bei Halbwind Kurs und leicht bewegter See macht die Oeding gute Fahrt durchs Wasser. Gegen 14 Uhr fangen Rudergänger Helmut und Skipper Horst das Jubeln an: Topspeed 9,9 kn auf der Logge. Um 14:23 Uhr ändert sich der Jubelton in orgastisches Stöhnen (Speed 10,7 kn) und um 14:27 Uhr verhilft die Anzeige auf der Logge von 11,4 kn (!) dem Skipper zu einem befreienden Endschrei. Helmut wird nach dieser einmaligen Rauschefahrt fortan nur noch “Mr. 11,4” genannt.
In Küstennähe von Gran Canaria schläft der Wind infolge Landabdeckung abrupt ein und eine wohltuende Ruhe stellt sich ein. Früher als erwartet erreichen wir Puerto de Mogan an der Südküste von Gran Canaria. Nach dem gekonnt römisch-katholisch vorgenommenen Anleger machen wir das Sonnensegel klar, um uns vor der stechenden Sonne in der Plicht zu schützen.
Danach genießen einige Crewmitglieder ein erfrischendes Bad in der gegenüber liegenden Badebucht. “Puerto Mogan” ist ein künstlich angelegter Ort mit flachen weißgrünen Häusern und interessanter Fassadengestaltung in maurischem Stil. Die ästhetisch gelungene Hafenanlage, die nicht zuletzt durch ihre Blumenpracht verzaubert, wird mit ihren Kanälen nicht zu Unrecht “Klein Venedig” genannt und mit Port Grimaud verglichen. Für Pauschaltouristen ein einladender Urlaubsort. Zum Tagesabschluss lassen wir uns leckere Fischgerichte in einem Hafenrestaurant schmecken.
9.Schlag: Donnerstag – 27.05.2004: Puerto de Mogan – Las Palmas / Muelle Deportivo: 69,7 sm – 13 h 15 min: Nach dem Ablegen klemmt zum 3. Mal die Logge. Wie schon an den Vortagen muss unser Chefkoch Ulli den obligatorischen Tauchgang absolvieren. Mit südlichen Winden und mäßiger Fahrt geht es zunächst auf Süd-Ostkurs in Richtung Maspalomas. Als der Wind achterlich einfällt, setzten wir den Spinacker ohne Hilfe vom Skipper perfekt in 10′.
Leider hält die Werbefahrt mit dem “Bayer-Kreuz” entlang den Touristen-Zentren Puerto Rico und Maspalomas nur kurz. Noch vor Rundung der Süd-Ost-Landmarke hört der südwestliche Wind abrupt auf und lässt die Oeding in unruhigem Kabbelwasser heftig schaukeln und unser Spi vertörnt sich um den Vorstag. Unter dem Kommando von Helmut kann der Spi ohne Blessuren gerettet werden.
Kaum ist der Spi geborgen, zeigen Schaumkämme voraus die nächste Herausforderung. Dem sonst überall steil abfallenden Festlandsockel der Vulkaninseln (der Meeresgrund fällt übergangslos mehrere 100 m ab) ist vor der Südost-Küste Gran Canarias eine bis zu 10 sm breite Schelfzone vorgelagert. Zusätzlich trifft hier der westlich und östlich um die Insel gedrückte Kanarenstrom wieder zusammen und erzeugt eine tückische Grundsee. Zusätzlich verlassen wir die Landabdeckung und stehen auf einmal mitten im Wind.
Mit 5-6 Bft aus Nord-Ost zeigt sich der Passat von seiner besten Seite – leider von vorn. Das erste und zweite Reff in Groß und Genua, Lifebelt um und alles festgezurrt geht es per Achterbahn nach Norden. Das ganze Towabo wird durch den Düseneffekt entlang der Süd-Ost-Küste mächtig unterstützt – Böen bis 8 Bft, Seegang 5. Von nun an ist Aufkreuzen und “gegen an” die Devise. Nur unsere allerhärtesten Steuerleute Doris, Peter und Helmut bleiben in der Plicht. Unsere medizinische Abteilung, um unseren Marineoffizier a. D., zieht es vor sich in den Kojen zu verkrümeln. Wahrscheinlich haben beide nach diesem Selbstversuch neue Erkenntnisse zur Behandlung der berüchtigten Seekrankheit gefunden.
Gegen 23 Uhr nach 10-stündigem Aufkreuzen erreichen wir unseren Zielhafen und Ausgangspunkt des Törns, Muelle Deportivo. Nach einem Anleger verkriecht sich die Crew erschöpft von diesem harten Segeltag nach und nach in die Kojen.
Rein-Schiff-Hafentag: Freitag – 28.05.2004: Las Palmas: Nach dem wie immer opulenten, aber auch letztem Frühstück an Bord, mit Rührei, frischen Brötchen und Sekt vom Geburtstagskind Horst wird die Oeding für die Nachfolgecrew auf Vordermann gebracht. Wer Horst kennt, der weiss, dass dafür ein Tag eigentlich zu wenig ist.
Gegen Abend machen wir uns zu Fuß auf, um zum schon bekannten Fischrestaurant Julio zu gelangen. Bei köstlichen Fischgerichten und einem edlen Tropfen lassen wir bei angenehmer Stimmung den schönen Segeltörn ausklingen. In einem Resümee lässt Skipper Horst die Höhepunkte des Törns Revue passieren und bedankt sich vor allem bei der Backschaft, die sich in den 14 Tagen aufopfernd um unser Wohl gekümmert hat. In einem Straßenrestaurant am Stadtstrand Playa de Las Canteras trinken wir noch ein paar Absacker in der lauen Mainacht und beenden den wunderschönen Kanaren-Törn.
HORST SCHUDNAGIES
Segelclub Bayer Uerdingen

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