Portugal Charterboot - Felsenküste vor Lagos

Von Vilamoura aus in einer Woche durch die Algarve

Unser Törn beginnt: wir laufen mit Kurs 180 Grad aus der Marina Vilamoura aus, die Sonne lacht, es weht ein laues, warmes Lüftchen, vor uns der weite, dunkelblaue Atlantik. Es ist bereits November, doch das Thermometer zeigt angenehme 21 Grad – typisch für die Algarve, wo es sogar im Winterhalbjahr mild und sonnig ist. Uns steht eine Traumwoche an der Südküste Portugals bevor. Wir wollen zunächst nach Westen, in einem längeren Schlag bis nach Lagos, und dann in kleinen Etappen zurück nach Osten, über Portimao, Albufeira, die Lagunen von Faro und Olhao. Als besonderes Highlight wollen wir schließlich eine Flussfahrt auf dem Rio Guadiana unternehmen.

Portugal Charterboot - Felsenküste vor Lagos

Portugal Charter: Postkartenmotiv – Felsenküste vor Lagos

Das Wasser ist ruhig – gar nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Der Altantik, so dachten wir, würde uns mit langen, hohen Wellen herausforden. Doch an der Südküste Portugals sorgt die Landabdeckung für mehr oder minder glatte See. Der berüchtigte Seegang herrscht tatsächlich erst, wenn man das Kap Sao Vicente umrundet hat und also an der Westküste Portugals segelt. Doch da wollen wir nicht hin, zu rauh ist es da, und zu wenige Schutzhäfen bieten sicheren Unterschlupf falls nötig. Nein, wir erkunden die knapp 100 km lange Südküste. Vor 20 Jahren gab es hier noch überhaupt keine Marinas und erst recht keinen Yachtcharter. Erst in den letzten Jahren entstanden eine Handvoll Charterbasen und ein paar brandneue Marinas. Ein junges, neues Charter-Revier also wartet darauf, von uns entdeckt zu werden.

Vilamoura, unser Starthafen, ist eine riesige, moderne Marina, die aus dem Nichts gestampft wurde. Leider hat Portugal denselben Fehler gemacht wie viele andere Länder – mit dem Massentourismus entstanden scheußliche Riesenbauten, die die Küste an vorderster Front verschandeln. Doch glücklicherweise sind das nur einzelne Abschnitte und mit jeder Seemeile im Kielwasser geraten sie mehr aus dem Blick. Stattdessen rauschen wir vorbei an kilometerlangen, menschenleeren Sandstränden. Wir nehmen Kurs auf Lagos, ca. 30 SM westlich von Vilamoura. Die Küste ist leicht zu besegeln, navigatorisch gibt es keine Hindernisse, weder Untiefen noch nennenswerte Strömungen. Aufpassen muss man jedoch auf die riesigen Thunfisch-Netze, die von der Küste weit ins offene Meer hinausreichen. Die aktuelle Lage ist in den Marinas und Hafenbüros einzusehen, und man tut gut daran, sich hier auf aktuellem Stand zu halten.

Am Nachmittag haben wir den Leuchtturm von Ponta do Altar querab, danach ist es nicht mehr weit bis zur berühmten Felsenküste von Lagos, die mit ihren vielen Höhlen und Grotten, Zacken und Überhängen ein berühmtes Fotomotiv ist. Dann sind wir auch schon vor der schmalen Hafeneinfahrt nach Lagos. Wir wollen in die Marina Lagos – eine der besten Marias Portugals, die gerade dabei ist, Gibraltar als letzte Station für Atlantiküberquerer den Rang abzulaufen. Man sieht stets einige Weltenbummler-Schiffe hier liegen, und es macht Spaß, mit den Eignern ins Gespräch zu kommen. Doch erst muss man dem Hafenbüro einen Besuch abstatten. Es ist ein wenig nervig, dass man bei jedem Ein- und Auslaufen dieselbe, langwierige, bürokratische Prozedur durchlaufen muss (Zoll, Hafenkapitän und Polizei wollen alle hübsch ordentlich ihre Formulae ausgefüllt und gestempelt haben), aber dann ist es durchgestanden und nach einem Anruf über Kanal 62 öffnet sich die Brücke nur für uns, so dass wir in die Marina einlaufen können. Alles ist vom Feinsten. Die neuen Stege, die tollen sanitären Anlagen, alles sehr gepflegt und angenehm. Zu den Schiffen gelangt man nur per Chipkarte, zusätzlich patroulliert ein Wachdienst rund um die Uhr.

Portugal Charter - Kilometerlang Sandstraende und oft menschenleer

Portugal Charter: Sandstrände – Kilometerlang und oft menschenleer

Lagos war bis zum großen Erdbegen Mitte des 18. Jahrhunderts die Hauptstadt der Algarve und ein wichtiger Übersee-Hafen. Doch das Beben hat von der einstigen Pracht der Stadt kaum etwas übrig gelassen. Dennoch ist die Stadt hübsch und ein Bummel durch die Altstadtgassen lohnt. Anders als in so manchen Touristenzentren an der Küste sind in Lagos die Restaurants und Geschäfte das ganze Jahr über geöffnet, und nicht zur zur Hochsaison. Empfehlenswert ist auch eine Bootstour zu den Grotten, die zwischen Lagos und dem Kap liegen. Man kann natürlich auch auf eigenem Kiel da entlang fahren, sollte jedoch vorsichtig navigieren, die Küste ist bizarr geformt und man will den Klippen nicht zu nahe kommen. Ein Ausflugsboot mit lokalem Skipper bringt einen natürlich viel dichter heran, insofern ist das eine Überlegung wert. Schnorchelsachen nicht vergessen!

Als nächstes geht es Richting Portimao. Der Schlag ist nur ca. 4 SM kurz, über den Fluss Rio Arade kann man direkt ins Zentrum segeln. Für die Nacht bietet sich z.B. die neue Marina an, die direkt an der Uferstraße liegt. Alternativ kann man vor dem Fischerdorf Ferragudo vor Anker liegen, das ein Stück näher an der Flussmündung liegt. Das Dorf ist malerisch lohnt einen Besuch. Allerdings könnte die gemütliche, ruhige Nacht recht abrupt enden, wenn die Fischer in aller Frühe auslaufen und so einen Radau machen, dass man von dem Geschaukel aus der Koje rollt… Deshalb kann man als dritte Möglichkeit auch die Lagune von Alvor anlaufen, die sich westlich von Portimao befindet. Alvor ist ein kleiner Ort am Ende einer hübschen Lagune. Es gibt einige Marsch-Zonen und durch das Trockenfallen mancher Bereiche ist eine interessante und ökologisch wertvolle Landschaft entstanden. Man kann hier die Ruhe genießen, Vögel beobachten und durch Dünen wandern.

Als wir genug von der Ruhe hatten, setzten wir wieder Segel und weiter ging`s nach Albufeira. Zur Hochsaison touristisches Zentrum der Algarve, findet man neben der traumhafen Felsenküste, die von noch traumhafteren Stränden unterbrochen ist, leider auch zahlreiche hässliche Hotelburgen. Doch sei`s drum, an Land schaut das gar nicht mehr so schlimm aus und selbst jetzt im November ist noch einiges los.

Von Albufeira aus segeln wir weiter östlich. Nach 8 SM ändert sich die Landschaft schlagartig: wir erreichen die Lagunenlandschaften von Faro und Olhao. Nicht mehr Felsenküste und Sandstrände bestimmen das Bild, sondern eine Landschaft, die mehr dem Wattenmeer der Nordsee ähnelt als dem Mittelmeer. So bleibt es dann auch die restlichen 30 SM bis zur Grenze nach Spanien. Wir segeln also in die riesige Lagune von Faro und Olhao hinein und ankern vor der Insel Culatra. Es ist so, wie wir uns das vorgestellt haben: eine traumhafte Lagunenlandschaft, mit richtigen, echten Störchen, die zwei Meter vor unserem Bug in Augenhöhe vorbei fliegen. Außerdem gibt es Felder von Muscheln, die bei Ebbe trockenfallen und bei Flut unter Wasser liegen. Die Insel Culatra ist einen Dinghy-Ausflug wert, um die Dünen- und Lagunenlandschaft zu durchwandern und bis zur Meerseite hinüberzulaufen. Wer Olhao besichtigen will, tut dies am bequemsten per Fähre. Hier gibt es Markthallen voller Köstlichkeiten wie knackiges Gemüse und Fisch in toller Qualität. Außerdem lohnen die Altstadtgassen einen Bummel.

Als nächstes geht es die Küste entlang nach Vila Real de Santo Antonio, das direkt an der Flussmündung des Rio Guadiana liegt, dem Grenzfluss zwischen Portugal un Spanien. Der Fluss ist auf mehrere Kilometer hinauf besegelbar. Vor der Mündung des Guadiana frischt der Wind auf, Fluss und Meer begegnen sich in leidenschaftlichem Wellenkreuzen. Entsprechend rasant wird unsere Fahrt: wir halsen in flottem Tempo den Fluss hinauf, und kümpfen uns gegen den ablaufenden Ebbe-Strom mit Hilfe des achterlichem, kräftigen Windes. Es erwartet uns eine herrliche Flusslandschaft. Es gibt viele verschiedene Wasservögel und hübsche Flussufer, die mit Oleander-Büschen gesäumt sind. Die Stimmung ist inzwischen angenehm friedlich und ruhig. Witzig, auf einer Grenze zu segeln: links ist Portugal, rechts ist Spanien. Am frühen Abend machen wir in Guerreiros del Rio fest. Hier gibt es einen kleinen Anleger und dahinter ein hübsches Dorf mit sage und schreibe elf Häusern. Alles ist sauber und gepflegt. Nach einem Spaziergang, bergauf und bergab mit herrlichem Blick auf das liebliche Flusstal, kehrt man in den einzigen Gasthof im Ort ein, die zugleich auch der Supermarkt ist. Die Küche ist ein Geheimtipp. Wir erwarteten uns nicht viel, umso überraschter waren wir von dem köstlichen Flussaal, den man uns serviert hat.

Nach einer herrlich ruhigen Nacht am Steg fahren wir am nächsten Morgen wieder zurück aufs Meer und nehmen wehmütig Kurs auf Vilamoura, wo wir in kürze unsere Charteryacht wieder zurückgeben müssen. Eine herrliche Segelwoche ging leider viel zu schnell zu Ende.

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