Ibiza / Formentera Yachtcharter: Das Inselchen Espalmador lockt mit karibischem Flair

Rund Ibiza und Formentera in sieben Tagen

Wir segeln seit vielen Jahren, bislang jedoch nur auf Jollen und kleinen Segelyachten in Friesland und auf dem Ijsselmeer, auf dem Gardasee sowie der Masurischen Seenplatte. Nun haben wir uns also Ibiza vorgenommen – unser erster “Blauwasser”-Törn. Wir sind wie immer zu dritt auf unserem Männertörn. Unser Plan: eine Woche Ibiza, rundherum im Uhrzeigersinn, plus die ein oder andere Buchte auf Formentera, wo auch unsere Charterbasis liegt. Die Yacht war eine Bavaria 36, die uns dreien auf unserem Törn mehr als genug Platz bot. Die Anreise erfolgte mit AirBerlin mit Zwischenstop auf Mallorca.

Ibiza / Formentera Yachtcharter: Das Inselchen Espalmador lockt mit karibischem Flair

Ibiza / Formentera Yachtcharter: Das Inselchen Espalmador lockt mit karibischem Flair

1. Tag: Check in auf Formentera, Marina la Sabina, und kurzer Schlag zur Cala Saona. Wir sind bereits gestern gelandet und haben das Nachtleben in Ibiza-Stadt genossen. Entsprechend beginnt unser Samstag mit wenigen Worten, dunkler Sonnenbrille und Vitaminen zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens. Mit der Schnellfähre von “Isotel” sind wir von Ibiza-Stadt zu unserer Charterbasis in der Marina Formentera (La Sabina) gekommen, die Überfahrt hat wirklich nur die angekündigten 25 Minuten gedauert (aber selbst bei anderen Fähren dauert sie nie länger als 45 Minuten). Der Check-in erfolgt in einem Gemisch aus Spanisch, Englisch und Händen und Füßen, ist aber freundlich und problemlos. Unser Schiff ist sauber, die Ausstattung gut. Kleinere Defekte, die uns während des Törns auffielen, störten nicht. Das Einkaufen im hafennahen Supermarkt ist toll, wir haben jede Menge leckerer Sachen entdeckt und unsere Massen an Lebensmitteln werden uns mit einem freundlichen Lächeln direkt ans Boot geliefert – gratis. Das nenne ich Service!
Der Wind frischt auf, ein Gewitter zieht heran. Da wir keinen Liegeplatz in der Marina La Sabina für die Nacht reserviert haben, fliegen wir wegen der einlaufenden Massen aus dem Hafen. Kein Problem, da wir so oder so noch zur nächsten Bucht segeln wollten. Nach einem kurzen Trip ohne Wetterprobleme – Gewitter gehen hier ebenso schnell, wie sie drohen – gelangen wir zur Cala Saona, eine bei östlichen Winden gut geschützte Ankerbucht mit traumhaft klarem Wasser. Endlich die Seele baumeln lassen! Wer gerne schnorchelt, sollte mit dem Dinghy die benachbarte Steilküste entlangfahren. Hier gibt es kleine Höhlen und prima Schnorchelgründe. Ansonsten bietet die Cala Saona einen kleinen Sandstrand und eine Strandbar, in der offiziell bis 21 Uhr Kleinigkeiten auf den Tisch kommen, und ein Hotel.
2. Tag: Cala Saona – Cala Vadella: Nach einer ruhigen Nacht brechen wir auf Richtung Ibiza-Stadt. Da wir diese aber schon von unserem Ankunftstag kennen, segeln wir gleich weiter zur südwestlichen Umrundung der Insel. Achterlicher Wind aus Ost-Süd-Ost lässt uns endlich Zeit zur Entspannung. Der Wind trägt uns vorbei an mystischen Felsen und Steilküsten, wobei es uns die Islota es Vedra besonders angetan hat. Ein Felsen, nur bewohnt von einigen Bergziegen, der schon Mike Oldfield seinerzeit zu seinem Album Tubular Bells inspiriert hat. Der Tag neigt sich dem Ende und wir machen Halt in der Cala Vadella, einer sehr gut geschützten Bucht mit sauberem Wasser, Sandstrand und kleiner Ortschaft. Auch kann man gut schnorcheln. Den Abend verbringen wir in einer einfachen, aber guten Spaghetteria an der Strandpromenade.
3. Tag: Cala Vadella – Cala de Puerto St. Miguel: Weiter geht es entlang der Westküste Ibizas Richtung Nordspitze. Bei 4 Windstärken und anliegendem Halbwindkurs halten wir immer wieder Ausschau nach sehenswerten Dingen. Auf dem Weg nach St. Antonio gleiten wir an der Cala Comte vorbei. Badebucht(en) mit super Wasser, vielen schönen Menschen und ab Mitte Juli total überfüllt. Bietet kaum Schutz und ist deshalb als nächtliche Ankerbucht eher ungeeignet. Eher etwas für einen Strandtag. In St. Antonio bunkern wir Wasser. Mehr ist dazu aber nicht zu sagen, da dieses Städtchen eigentlich nur ein Betonhaufen ist, der vorwiegend englischen Gästen als Feriendomizil dient. Also auf gen Norden. Entlang grüner Hügel geht es zur Cala Beneiras. Auch hier finden wir einen kleinen Sandstrand, der tagsüber vorwiegend von deutschen Familien besiedelt ist. Das Wasser zeigt teils Spuren menschlicher Zivilisation. Aber wirklich schmutzig ist es nicht, zum Baden durchaus geeignet. Die Strandgastronomie schließt abends. Ein schneckenförmig in der Einfahrt der engen Bucht aufragender Felsen lässt Sonnenuntergänge für Ankernde zum Highlight werden. Für Interessierte: Hier hat Nina Hagen geheiratet.
Da wir zum Abend unseren Hunger stillen wollen und keine Lust auf Kombüsendienst haben, entschließen wir uns, unser Nachtlager in der benachbarten Cala de Puerto St. Miguel aufzuschlagen. Eigentlich eine sehr schöne Bucht mit Bade- und Wassersportmöglichkeiten, wäre da nicht die in den Hang gezimmerte Hotelanlage. Man ist nie im Unwissen darüber, wie das Animationsprogramm der dort logierenden Gäste aussieht. Im Laufe des Abends füllt sich die Bucht immer mehr.

Ibiza / Formentera Yachtcharter: Die Cala Vadella, eine gut geschützte Bucht mit Strand und Ortschaft

Ibiza / Formentera Yachtcharter: Die Cala Vadella, eine gut geschützte Bucht mit Strand und Ortschaft

4. Tag: Cala de Puerto St. Miguel – Cala de Puerto Roig: Wir setzen Segel und legen Kurs auf Formentera an. Nach der Vorbeifahrt an “Atlantis”, einer Reihe von Höhlen, welche zu Hochzeiten der Hippie-Bewegung als Unterkunft genutzt wurden, laufen wir bei zunehmender Welle (1,5 m) und auffrischendem Wind (5) in die Cala de Puerto Roig ein. Eine idyllische, gegen östliche Winde bestens geschützte Bucht, die durch klares Wasser und eine Vielzahl von Fischerhütten gekennzeichnet ist. Da es hier keine Gastronomie gibt, spazieren wir durch Wohngegenden (Ferienhaus von Frau Onassis) zur benachbarten Cala Jondal. Hier ist eine Übernachtung auf dem Boot weniger gut möglich und man genießt eher das etwas mondäne Ambiente der Strandbars. Beispielsweise der Club Tropicana, wo man von freundlichen Herren auf seiner Liege den ganzen Tag mit Speisen und Getränken verwöhnt wird. Wem eine Massage lieber ist, dem kann auch geholfen werden. Wir ziehen weiter in die etwas abgefahrene Chill-Out-Bar Blue Marlin am anderen Ende des Strandes. Hier lümmelt man auf großen Holzbetten liegend beim ein oder anderen Mojito vor sich hin, lauscht den Klängen der von einem DJ präsentierten Musik und saugt die Abendstimmung in sich auf. Wen der Hunger plagt, isst im integrierten Restaurant. Wir machen uns per Taxi auf ins Örtchen St. Josep, wo wir den Abend in einer richtig guten Tapas-Bar (der Name ist mir leider entfallen) im Ortskern ausklingen lassen.
5. Tag: Cala de Puerto Roig – Cala Saona: Windstärke 5-6, Welle 2 m, bedeckt. Wir knüppeln kreuzend Formentera entgegen. Nach zwei Stunden dort angekommen, bunkern wir im Heimathafen La Sabina mal wieder Wasser, segeln aber gleich weiter. Noch ist unser Törn nicht zu Ende! Und zack ist auch schon die Sonne da. Wir entscheiden uns zu einem Strandausflug irgendwo entlang der Landzunge, die die Insel Formentera mit dem Inselchen Espalmador verbindet. Traumhaftes, nur ganz sanft tiefer werdendes Wasser, gepflegte Strandrestaurants, Wasser-Taxi vom Boot zum Strand, kalte Getränke, hübsche Frauen. Hier will ich begraben werden! Wenn es nur nicht so voll wäre… Die Islota Espalmador selbst bietet (bis auf die Gastronomie) all das ebenso, und ist zudem bei Ostwind als hervorragender Ankerplatz bekannt. Ein Traumspot in der Vorsaison für Badenixen! Schließlich kribbelt es uns doch wieder in den Fingern und wir wollen noch die Abendstimmung unter Segeln genießen. So setzen wir wieder Kurs auf unsere Cala Saona, um den Abend bei Pasta a la Wolfgang zu beschließen.
6. Tag: Cala Saona – Cala Mitjorn – Cala Saona: Wie jeden Morgen begrüßt uns der Tag mit einem kontinentalen Frühstück von Michi. Ganz langsam lassen wir es angehen (Windstärke 4-5, Welle 1,5 m) und treffen am frühen Nachmittag in der Cala Mitjorn ein. Eine langgezogene, offene Bucht mit teils sandiger, teils felsiger Wasserlinie an der Südseite Formenteras. Trotz etwas kräftiger Dünung legen wir unser Boot vor Anker, geben reichlich Kette und lassen unsere Gute in den Wellen tanzen. Wolfgang und Michi wollen hier alte Urlaubserinnerungen auffrischen. Sie kennen den Strand, wie sie sagen, und weisen mich an, das Beiboot etwas weiter links an den Strand zu steuern. Denn da sei ja nur Sand, keine Felsen. Noch etwas weiter links, noch etwas mehr. Und ich sehe bei der nächsten Welle: Nix Sand! Neiiin!!! Wir machen mit unserer Landung auf dem Strand (der größte Felsen weit und breit) mehr Eindruck als die alliierten Truppen 1944 in der Normandie. Nachdem wir unsere Einzelteile eingesammelt haben und Wolfgang auch noch seine zweite Latsche aus den Wellen gefischt hat, klappern wir eine Strandkneipe nach der anderen ab und stellen fest: es ist nix wie früher und es hat nur noch Italiener. So brechen wir durch die Brandung zurück und setzen Segel wieder in Richtung unserer zur Cala Saona, weil wir uns von dort ins Nachtleben von Eivissa stürzen wollen. Doch zuvor ein Bad.
Um noch nach 21 Uhr von Formentera nach Eivissa zu kommen, muss man schon spezielle Wege gehen. Und zwar mit dem Taxi zum Hafen und dort zu “Salao-Wasser-Taxi”. Das Boot pendelt zwischen dem Hafen La Sabina und der Marina Botafoch (Bootstankstelle) und wird auch gerne von verspätet gelandeten Fluggästen genutzt. Es ist ein irres Vergnügen, bei Dunkelheit mit High-Speed durch die Wellen zu jagen. Bei mindestens vier Personen verlangt man 50 Euro pro Person, das ist nicht zuviel für den Spaß. Alleinreisende müssen über den Preis verhandeln. Und morgens geht es nach Absprache zurück. Telefon: 0034-609847116.
7. Tag: Cala Saona – Marina la Sabina: Es geht zu Ende. Am Abend werden Michi und ich den Rückflug antreten. Wolfgang wird gegen 18 Uhr das Boot auschecken, kann aber die Nacht noch an Bord schlafen. Also zurück zur Marina La Sabina. Dort machen wir das Boot klar und schauen noch nach letzten fehlenden Mitbringseln für unsere Daheimgebliebenen. Die Hippie-Stände im Hafen sind da willkommener Zeitvertreib, weil mancher hinter seinem Stand derart zugekifft ist, dass Preisverhandlungen zum Gag werden. Schweren Herzens heißt es nun Wolfgang zurückzulassen und Abschied zu nehmen. Zurück mit Germanwings nach Köln. Wie meist mit einer Stunde Verspätung, aber dafür stimmt der Preis.
Zusammenfassend darf man aus meiner Sicht sagen, dass diese Woche weit gelungener war, als ich es mir zuvor erhofft habe. Für Segler mit einer deutlichen Vorliebe fürs Ankern und noch nicht so großer Erfahrung auf großem Wasser ist Ibiza ein toller Trip. Marinas sind in dieser Region sehr teuer und speziell im Falle der Marina Botafoch in Eivissa einfach abstoßend. Die Wetterverhältnisse waren jederzeit beherrschbar. Der Wetterbericht, den wir als Service direkt aufs Handy bekamen, war allerdings wenig zuverlässig und nicht hinreichend aktuell. Wir suchten nach Abstand vom Alltag, nie nach der Mutter der Trimmung, wie man diesen Zeilen entnehmen kann. Spaß an der Segelei, am Drumherum und an seinen Freunden, die man eigentlich viel zu selten sieht, all das wurde aufs Beste geboten. Jederzeit wieder!
Michael K.

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