Bretagne Charter - Binnensee Atmosphäre - Die verwinkelte Wasserlandschaft lässt sich am besten per Boot erkunden

Morbihan: Alles dreht sich um Wasser und Boote

Östlich von Quiberon und La Trinite lockt der Golf du Morbihan. Hinter der Riffbarriere der Chaussee de Beniguet, bei Port Navalo, liegt die Einfahrt. Sie ist nicht einmal eine halbe Meile breit. Bis zu 6 Knoten läuft hier der Strom im Takt der Tide. Dahinter öffnen sich – abgeschirmt vom Atlantik – das Herz und die zugleich schönste Wasserlandschaft der Bretagne.

Bretagne Charter - Binnensee Atmosphäre - Die verwinkelte Wasserlandschaft lässt sich am besten per Boot erkunden

Bretagne Charter: Binnensee Atmosphäre – Die verwinkelte Wasserlandschaft lässt sich am besten per Boot erkunden

Der Golf ist das Idealrevier für kleinere Boote. Das erfuhr recht handfest die Crew einer niederländischen Nordia 55. Sie folgte im Kielwasser auf unserem Weg nach Auray. Mit auflaufendem Wasser schlängelten wir uns gemeinsam durch die Bojenfelder und Austernbänke.
Von Vannes, der einzigen Marina mit Schwimmstegen hinter einer Schleuse am NO Zipfel des Golfs kommend, hatten wir den Tidenwechsel in Port Navalo an der Boje abgewartet und segelten jetzt mit dem Strom bei handiger NO-Brise am Wind den gewundenen Lauf des Auray Kurs NNW hinauf. Seegang kann sich in dem gut 200 Qudaratmeilen großen Inselgarten auch bei Starkwind nicht entwickeln. Da macht es einen Heidenspaß, durch die engen Inselpassagen zu schnüren.
Gerade sinnierten wir darüber, ob es nicht etwas leichtsinnig sei, wie unser niederländischer Verfolger “Abkürzungen” zwischen den Priggen des Fahrwassers zu wählen, da brach hinter uns Hektik aus: Recht voraus signalisierte eine hagere Steuerbordspiere mit verwaschener Inschrift: “haute max 14 m”, zu deutsch Durchfahrthöhe maximal 14 m. Und hinter der nächsten Fahrwasserbiegung tauchte eine Brücke auf. Aus der Traum für die Nordia, und für uns die Erklärung dafür, warum die französischen Skipper großer Yachten in den Kneipen von Concarneau bis La Rochelle nie, die Eigner kleinerer Schiffe dagegen immer von Auray als der Perle für Fahrtensegler im Golf von Morbihan geschwärmt hatten.

Bretagne Charterboot - Auray - Fachwerkhäuser säumen die alten Kais

Bretagne Yachtcharter: Auray – Fachwerkhäuser säumen die alten Kais

Kaum hatten wir mit unserem 11 m Masthöhe den weitgespannten Betonbogen passiert, verstanden wir auf Anhieb die Begeisterung. An Steuerbord erheben sich heute baumbestandene Festungsmauern in Terrassen rund 50 m hoch über das schmale Hafenbecken bis zu den Mauern der Altstadt. An backbord säumen Fachwerkhäuser die alten Kais und am Ende des Beckens schließt eine siebenhundert Jahre alte Bogenbrücke aus grauem Bruchstein das Hafenbecken, in dem am 4. Dezember 1776 Benjamin Franklin als erster Botschafter der jungen USA den Boden Frankreichs betreten hatte.
Die Zeit scheint seither stehengeblieben zu sein: Obwohl Auray zu den touristischen Attraktionen der Südbretagne gehört, bleibt der alte Hafen auch im Sommer von den Blechkarawanen des Fremdenverkehrs verschont. Zu eng sind die kopfsteingepflasterten Gassen von der Stadt auf dem Berg in die Hafenschlucht. Sie endet für Automobile als Sackgasse. Und deshalb lebt der Hafen auch im Sommer als Refugium der Einheimischen und wenigen fremden Segler. Denn der Liegeplatz für Besucher ist begrenzt und beschränkt sich auf zwei Bojenreihen für nur ein Dutzend Boote.
Seit Jahrhunderten ist der Golf und sein Umland das kulturelle Herz der Bretagne. Rund um den Golf erstreckt sich ein bis heute nicht ausgemessener Friedhof aus gewaltigen Hünengräbern, als ob hier in vorchristlicher Urzeit über Jahrhunderte die bretonische Landeselite begraben worden wäre. Carnac, Locmariaquer, oder Gavrinis sind nur einige der Orte, an denen geheimnisvolle Dolmen, Menhire und Hügelgräber von der vielleicht ersten Weltreligionen künden. Ihre Spuren finden sich in Palästina, den Mittelmeerinseln Malta, Korsika und Sardinien über Spanien und Frankreich bis hinauf nach England und Irland. Heute wissen Archäologen nur, dass Seefahrer den gigantischen Totenkult verbreitet haben.
Kein Wunder, wenn hier jährlich Hunderttausende von Touristen auf Ausflugsdampfern zum Sightseeing durchgeschleust werden. Das konzentriert sich jedoch auf die Rennstrecken zwischen Vannes, Port Navalo am Eingang des Golfs und Locmariaquer. Schon wenige Meilen abseits dieses Trubels locken einsame Buchten mit klarem Golfwasser hinter den grünen Vorhängen üppiger Ufervegetation zu Tagen erholsamer Ruhe . Die wird dann höchstens unterbrochen vom morgendlichen Dieselgeblubber eines Austernfischers Und wen es trotzdem unter Menschen zieht, findet im Umkreis von 20 Dinghy-Minuten ein kleines Örtchen wie Le Bono: Ein winziger Kai zum Festmachen des Beibootes, eine Kirche, ein Restaurant und der Minisupermarkt, in dem sich der tägliche Bedarf für die Bordküche erwerben lässt.
Zugegeben: Die schönsten Ecken des Golfs verweigern sich dem tiefgehenden großen Langfahrtboot. Bei Niedrigwasser wird es in den schmalen Passagen zwischen den Inseln oder in Landnähe in den Buchten kritisch für Boote über 1,5 m Tiefgang. So kann es passieren, dass bei Ebbe der Kiel in den Schlick stößt oder einen Unterwasserfelsen schrammt. An den weißen Besucherbojen, mit einem großen “V” gleich “visiteur” gezeichnet, braucht man mit derlei Unbill nicht zu rechnen. Statt dessen kassiert ein “Hafenmeister” täglich Gebühren um die 20 Euro.

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