Bootscharter Toskana: Der Hafen in Giglio, einer kleinen Insel südlich von Elba, ist filmreif

In 7 Tagen von Castiglioncello nach Capraia, Korsika, Elba

Klaus-Michael Röder, Stammkunde bei uns, ist jedes Jahr mit seiner Männercrew im Mittelmeer unterwegs. Diesmal ging`s im Mai eine Woche lang mit einer Bavaria 47 in die Toskana. Start war in Castiglioncello am Italienischen Festland. Von dort segelten sie über die Insel Capraia nach Korsika und Elba und mit einem Abstecher über die Insel Giglio wieder zurück nach Castiglioncello. Ein Törnbericht.

Bootscharter Toskana: Der Hafen in Giglio, einer kleinen Insel südlich von Elba, ist filmreif

Bootscharter Toskana: Der Hafen in Giglio, einer kleinen Insel südlich von Elba, ist filmreif

Samstag: Anreise und Übernahme des Schiffes, einer Bavaria 47, in Castiglioncello
Wir hatten bei Yachtcharterfinder bereits im November 2008 gechartert und damit den Frühbucherrabatt erhalten. Die Übernahme war problemlos. Manuela von NorthSardiniaSail ist ausgesprochen freundlich und spricht perfekt deutsch. Die Crew besteht aus Alfred (Skipper), Hans, Heinz, Hermann, Hubert, Klaus-Michael, Klaus-Peter und Sebastian. Unsere Crew ist das beste Beispiel dafür, dass Segeln jung erhält. Unser Durchschnittsalter ist 67,4 Jahre, wobei wir vier 71jährige an Bord haben. Der Rest ist zwischen 63 und 65.
Der Hinflug verlief durchwachsen. Pisa wird von allen größeren Flughäfen in Deutschland angeflogen. Vier Mann kamen von Nürnberg über München. Zwei Mann flogen bereits drei Tage früher über Florenz, um sich die Stadt anzuschauen. Der Zug nach Pisa dauert dann noch eine Stunde. Ein Mann kam von Stuttgart. Seine Fluglinie strich den Flug nach Pisa. Er musste mit dem ICE nach Köln und von dort nach Pisa. Ein Mann kam von München über Rom. Seine Fluglinie strich den Flug nach Rom. Da der Ersatzflug erst nachts um 23 Uhr in Pisa ankam, musste er alleine mit der Taxe (110 Euro) nach Castiglioncello. Die Törneröffnungssitzung musste deshalb auf den zweiten Tag gelegt werden.
Der Transfer vom Flughafen zur Marina in Castiglioncello ist sowohl mit Bus oder Bahn, als auch mit Taxi möglich. Wir haben das Taxi von Herrn Traupe (easy-driver.it) für 110 Euro für die einfache Strecke (ca. 50 km) gewählt, da wir zu siebt waren. Nach dem Einkauf im Coop Supermarkt 500 m von der Marina an der Zufahrt folgte das Abendessen im ersten Restaurant auf der rechten Seite, wenn man den Marinaparkplatz nach rechts verlässt. Das Essen war gut. Der Absacker im „Marina Hemingway” bei Irene und Francesca ca. 500 m weiter war knackig. Auf dem Rückweg zum Schiff stellte sich uns noch ein kleiner Tresen in der Außenwand einer Bar in den Weg (der erste Abend ist immer der schönste). Das erste Bier in der Marina-Bar empfanden wir mit 7 Euro für 0,4 l absolut überzogen.

Sonntag: Castiglioncello – Capraia (39 sm)
Nach Cappuccino und Cornetto laufen wir morgens um 10 Uhr aus. Das Wetter ist fantastisch. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Aber (fast) kein Wind. 2-3 Knoten aus N. Also Motoren. Beim leisesten Lüftchen werden die Segel gesetzt. Eine Stunde Segeln, dann wieder aus. So datteln wir Richtung Capraia. Im Hafen sind viele Liegeplätze frei. Moorings. Wasser und Strom. Dann kommt der Hammer: 80 Euro Liegegebühr. Das ginge noch. Aber fürs Pinkeln 1 Euro extra und fürs Duschen 4 Euro. Das ist eine Unverschämtheit. Der Rundgang durch das malerische Dorf mit herrlichen Aussichten entschädigt dann schon ein bisschen. Die Törneröffnungssitzung bei Da Antonio (erste Osteria auf der rechten Seite am Ortseingang) stimmt uns dann endgültig wieder milde. Ausgezeichnetes Essen zu erschwinglichen Preisen. Wir sind Liebhaber der italienischen Küche. Skipper Alfred wird zum Skipper auf Lebenszeit ernannt. Wir segeln nun seit 20 Jahren zusammen. Für jeden gibt es eine „Erinnerungsarmbanduhr” mit entsprechendem Aufdruck im Zifferblatt. Mit einem Absacker auf dem Schiff endet ein wunderschöner Tag.

Charter Toskana: Die Männercrew um Klaus-Michael Röder segelt schon seit 20 Jahren zusammmen

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Montag: Capraia – Bastia / Korsika (32 sm)
Nach Capuccino und Cornetto am Hafen werfen wir um 09:15 Uhr die Leinen los. Korsika ruft. Keine Veränderungen beim Wetter. Viel Motoren, wenig Segeln. Wir laufen den Port Vieux in Bastia an. Nach der Hafeneinfahrt direkt rechts liegen drei Bojen. Dahinter Moorings für etwa 5 – 6 Schiffe. Es ist genügend Platz da. Wir machen an einer Mooring fest. Es gibt Wasser und Strom. Der Dusch-Button kostet 2 Euro. Marinagebühr wird nicht verlangt. Da wir schon gegen 15:00 Uhr eingelaufen sind, machen wir einen ausführlichen Rundgang. Zuerst hoch zu Festung über dem Hafen mit herrlichem Blick auf den Hafen. Dann weiter hoch und über ein pittoreskes Gässchen zurück in die Altstadt. Es ist wenig los.
Wir suchen ein Lokal, das Sebastian bei seinem letzten Bastia-Besuch zu schätzen lernte. Das U’Tianu im 1. Stock in einer Seitengasse. Korsische Küche!!! (Rue Mgrs. Rigo. 200 m vom Hafen).
Wir nehmen das Menü für 23 Euro. (Überhaupt hat Korsika sein Preisniveau, zumindest in Bastia, erfreulich angepasst). 8 Gänge mit Digestif, Hauswein und Kaffee:
– Kichererbsen sauer mit Zwiebeln
– Kalte Platte mit Wildschweinschinken, Salami, Leberterrine
– Linsen mit Speck
– Käseklößchen
– Rindfleisch mit Nudeln (köstlich)
– Fisch auf Reis mit Käse (kann man weglassen)
– Käse mit Feigenmarmelade
– Süßer fester Grießbrei
Umwerfend. Die Bedienung freundlich. Die Qualität 1a. Nach einem Verdauungsspaziergang schleppen wir uns zum Absacker aufs Schiff.
Dienstag: Bastia – Marina di Campo / Elba (42 sm)
Nach Cappuccino und Cornetto am Hafen heißt es um 9 Uhr Leinen los bei beständigem Wetter mit steigenden Temperaturen. Datteln, Segeln, Motoren. Die täglichen Rituale der Essensaufnahme mit Brot und Wurst / Käse gegen 10 Uhr und Mittagstisch mit Suppe oder Spaghetti um 13 Uhr unterbrechen unsere schweißtreibenden Segelmanöver wie Autopilot ein / Autopilot aus. Richtiger Wind mit 15 Knoten (aus N) kommt erst auf, als wir um 16:15 Uhr in Marina di Campo einlaufen. Plätze sind frei. Was wir für Moorings halten, sind lose Leinen am Hafenbeckenrand. Also neuer Anlauf, Anker raus und festmachen. Ein Boot, das hinter uns kommt, wirft natürlich seinen Anker genau über unseren. Das merken wir erst am nächsten Morgen. Unsere Winsch ist so stark, dass wir den Anker mit hochziehen und, am Bug auf dem Bauch liegend, zu zweit unsere Kette drüberheben können. Uff!!! Wenigstens jetzt ein bisschen Hafen Kino. In einem der vielen Lokale essen wir ausgezeichnet. Hier kann man eigentlich nichts falsch machen. Da stimmt alles. Der Absacker wird kurz. Niemand erhebt eine Liegegebühr. Strom und Wasser gibt’s nicht.
Mittwoch: Marina di Campo – Giglio (42 sm)
Um 9 Uhr morgens verlassen wir, nach Capuccino und Cornetto, Marina di Campo Richtung Giglio, dem südlichsten Punkt unseres Törns. Das Wetter ist unverändert, die Temperaturen steigen. Die Mischung aus Motoren und Segeln (Datteln) bringt uns gemächlich nach Süden. Wie schon in Marina di Campo kommt auch heute der Wind erst beim Einlaufen in den Hafen. Plätze sind frei. Wir legen vor Buganker an. Kein Wasser, kein Strom. Aber auch keine Gebühr. Nach Besichtigung dieses absolut schnuckeligen Örtchens (fernsehreif) laufen wir in der Pizzeria L’Archetto bei Sergio ein. Touristenmenüs für 12-15 Euro, Fischsuppe für 2 Mann 26 Euro. Ausgezeichnet, aber Achtung: Das kann kein normaler Mensch verdrücken. Fantastischer Geschmack. Spaghetti mit Meeresfrüchten und gegrillter Schwertfisch 13 Euro. Ein Traum. Der Hauswein ist gut. Die Bedienung (rumänisch) ist freundlich und flott. Ein Blick in die Küche zeigt drei asiatische Assistenten. Sergio winkt uns beim Abschied zu. Wir hatten noch ein bisschen „ Verdauungsmittel “ zu uns genommen. Der Absacker hat hier seinen Namen erhalten. Das muss absacken.
Donnerstag (Vatertag): Giglio – Portoferraio / Elba (41 sm)
Der nächste Morgen sieht uns hochmotiviert. Väter, Großväter und ein Unabhängiger starten voller Vorfreude in den neuen Tag. Nach dem üblichen Cappuccino mit Cornetto machen wir uns um 07:50 Uhr auf den Vatertagsweg nach Portoferraio. Obwohl alle heute eine „von oben gelenkte Windsause” erwarten, geht das Gedattel weiter bis 12 Uhr. Alleine die Diskussionen über das Segelvermögen von 3 Knoten Wind füllen Stunden. Den Höhepunkt bildet das traditionelle Öffnen einer (oder 2) Sektflaschen um 9 Uhr. Das halten wir nun schon 20 Jahre so. Dann klingeln die Handies. Die lieben Kleinen haben uns nicht vergessen… Es kommt zu Freudenausbrüchen.
Wir hauen den Motor rein und legen um 17:15 Uhr bei 30 Grad Hitze in Portoferraio (Moorings) an. Muss man gesehen haben. Der Stadthafen ist ein Hammer, trotz der 50 Euro Liegegebühr. Für Strom nochmal 1,04 Euro, verbunden mit einem extremen Aufwand durch elektronische Freigabe und Abrechnung. Erinnert mich irgendwie an einen großen, deutschen Elektrokonzern, bei dem ich bis zu diesem Törn arbeitete (37 Jahre lang, ich bin jetzt Rentner). Wasser ist umsonst. Duschen bei einem „Freund” für 4 Euro.
Weil es schon spät ist, machen wir nur einen kurzen Rundgang zur Identifizierung eines Lokales, das uns als geeignet erscheint. Wir finden es auf einem kleinen Platz in zweiter Linie hinter der Längsseite des Hafens. „La Ferrigua”. Wie immer essen wir ausgezeichnet. Viva Italia. Die Bedienung ist ein supernettes Mädel. Natürlich noch Absacker auf dem Boot mit den üblichen “hochphilosophischen” Themen wie „gefühlte Temperatur”. Kein eindeutiges Ergebnis. Müde betten wir unser Haupt. Wir liegen in Sichtweite von Luxus-Motor- und -Segelyachten. Die haben gehört, dass wir heute Abend hier sind.
Freitag: Portoferraio – Castiglioncello (41 sm)
Und es gibt doch noch eine ausgleichende Gerechtigkeit. Bei einem ausgiebigen Rundgang zu beiden Festungen und dem kleinen Napoleonmuseum sehen wir schon die Brise vor Elba. Nach Cappuccino und Cornetto im Lokal von gestern Abend verlassen wir diesen wunderschönen Ort um 09:20 Uhr. Nach etwa einer halben Stunde Motoren kommt „Seglers Traum”: 14-17 Knoten raumer Wind direkt aus Süden. Die Bavaria 47 läuft 8-9 Knoten!! GPS 6-7. Na ja , geht auch noch. Wir segeln bis kurz vor die Hafenmole in Castiglioncello. Dazwischen ein paar Halsen. Allen steht die Gänsehaut noch lange auf den Armen. Das war ein Segeltag!! Gott ist doch gerecht. Italiens Osterien haben sich für unseren eminenten Einsatz revanchiert. Nach Rückgabe ohne Probleme wählen wir zum Abschiedsessen das „Hemingway Marina” am Ende der Straße. Im absoluter Übereinstimmung mit Crew, Küche und den freundlichen Bedienungen Irene und Francesca geht der Törn zu Ende. Der letzte Absacker ruft. Die Logistik hat gesiegt. Nur wenig bleibt an Bord zurück.
Samstag: Ausklarieren und Heimfahrt
Ein letztes Mal Cappuccino und Cornetto im “Hemingway”. Dann fahren wir mit Herrn Traupe wieder für 110 Euro gemeinsam zum Flughafen nach Pisa. Dort trennen sich unsere Wege. Nächstes Jahr soll es vielleicht nach Sardinien gehen. Oder doch in die Nordägäis ??? Nach dem Törn ist vor dem Törn
KLAUS-MICHAEL RÖDER

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