Kuba Charter: Vor der Südküste gibt es zahllose Inseln, viele davon unbewohnt und winzig

Auf der Mariposa zur Robinson-Crusoe-Insel

Im Dezember haben wir zwei Wochen Kuba geplant. Die erste Woche Segeltörn, die zweite Woche Landurlaub. Wir, das sind Friedhelm, Kristiane, Jost und Reiner. In Cienfuegos übernehmen wir unsere Bavaria 47 namens Mariposa, mit der wir nun eine Woche lang im Süden Kubas unterwegs sein werden. Wir wollen nach Westen, zunächst zur Insel Cayo Guano del Este, dann nach Cayo Iguana und weiter zur Touristen-Insel Cayo Largo. Einen völligen Kontrast dazu stellt die unbewohnte Cayo Rosario dar, auf der wir drei Tage Robinson Crusoe spielen, bevor wir wiederum über Cayo Largo zurück nach Cienfuegos aufbrechen. Wir segeln vorbei an Mangroven- und Schilfgürteln, zwischen Inseln und Korallenriffen und finden viele tolle Ankerbuchten mit weißem Sandstrand. Das Wasser ist zumeist leuchtend türkis. So lässt sich das Leben aushalten!

Kuba Charter: Vor der Südküste gibt es zahllose Inseln, viele davon unbewohnt und winzig

Kuba Charter: Vor der Südküste gibt es zahllose Inseln, viele davon unbewohnt und winzig

An einem Abend Mitte Dezember landen wir in Havanna. Zwei Wochen Kuba liegen vor uns. Ein vorbestelltes Taxi holt uns am Flughafen Havanna ab und fährt uns in einer vierstündigen Fahrt quer über die Insel. Auf der sogenannten „Autobahn“ dämmert es uns, warum im Reiseführer steht, man solle möglichst nicht nach Einbruch der Dunkelheit fahren. Zahllose Fahrzeuge nebst Pferdekarren sind unbeleuchtet, zudem wird die Straße von wartenden Menschen und Tieren gleichermaßen mitbenutzt. Fahrbahnmarkierungen fehlen gänzlich, dafür gibt es zahllose Schlaglöcher und unbeschrankte Bahnübergänge. Gegen 2 Uhr nachts kommen wir endlich im Hafen von Cienfuegos an. Jetzt erst mal lang machen und schlafen.
Am nächsten Morgen wird die “Mariposa”, unsere Bavaria 47, in Besitz genommen und eingecheckt. Alles o.k., das Boot ist neuwertig. Am Hafen gibt es einen kleinen Laden, in dem man alle Grundnahrungsmittel und Getränke kaufen kann. Wir bunkern tüchtig ein und bezahlen mit US-Dollars. Es gibt allerdings keine Butter und kein Spüli. Mit dem Pferdewagen fahren wir in die Stadt auf den Markt. Hier kaufen wir Obst, Gemüse, Salate, Fleisch… und bezahlen in Pesos. Im Supermarkt gibt es auch keine Butter und kein Spüli. Wir nehmen noch ein paar Dosen mit und bezahlen in USD. Beim Bäcker kaufen wir Brot und bezahlen in Pesos. Leider erweist es sich als unmöglich, einen Mietwagen für unsere zweite Urlaubswoche im voraus zu bestellen – trotz guter Ausstattung mit Computern und unseres Winkens mit US-Dollars.
Cienfuegos hat ein sehr hübsches Zentrum rund um die Plaza Mayor. Die Häuser im Kolonialstil sind restauriert und das ganze Ensemble wirkt gepflegt. Das Tomas-Terry-Theater kann für 1 Dollar besichtigt werden: auch innen reinster Jugendstil, vom Mobiliar bis zu den Leuchtern. Im „El Palatino“ ist Life-Musik. Die ersten Zigarren werden hinter dem Tresen geschachert (25 Lungentorpedos für 10 US) und das Nationalgetränk „Mojito“ entdeckt.
Unser erstes Ziel heißt „Cayo Guano del Este“. Die Ausfahrt durch die große Bucht von Cienfuegos ist navigatorisch hochinteressant – mit guter Betonnung und Befeuerung, mit Richtfeuern und Baken. Das enge Fahrwasser führt uns am sehr malerischen Castillo de Jagua vorbei. Danach muss das große militärische Sperrgebiet um die Schweinebucht umfahren werden. Bei relativ schwachem Wind laufen wir unter Maschine, damit wir die Strecke von 55 SM noch vor Sonnenuntergang schaffen. Unterwegs gehen zwei Barracudas von 60 und 80 cm und ein Cero (so sagt unsere Bestimmungstafel) an die Angel. Der Cero ist nur noch halb lang, das Hinterteil ist schon abgefressen, bevor wir ihn an Bord haben.
Gegen 16 Uhr liegen wir mit zwei Ankern vor dem Leuchtturm von Cayo Guano del Este und freuen uns über die Aussicht, mit unserem ersten Sundowner in der Hand beim sanften Wiegen unseres Bootes und einer schwachen Brise um die Nase eine glutrote Sonne im Meer versinken zu sehen. Doch bevor es dazu kommt, rudert das Beiboot eines Fischers, der in unserer Nähe geankert hat, zielstrebig auf uns zu. Ohne ein einziges Wort Spanisch zu verstehen, kapieren wir, dass in den nächsten 30 Minuten ein starker Wind aus Mexico einbrechen wird, wir müssten unbedingt auf die andere Seite der Insel verlegen und außerdem sollten wir auf keinen Fall die Barracudas essen, sie könnten giftig sein. Zum Trost schenkt uns unser Fischerfreund einen herrlichen Nassau Snapper und filetiert ihn auch noch für uns. Dann lichten wir die Anker, werfen die Barracudas über Bord und suchen den neuen Ankerplatz auf, den wir in letzter Sekunde erreichen, bevor ein wahres Rodeo losbricht.
Das unbewachsene Inselchen ist zu klein, der Wind fetzt darüber hinweg, und die Welle schwappt außen herum. Unser Boot tobt die ganze Nacht vor seinen Ankern. Wir überlegen für alle Fälle einen möglichen Fluchtweg. Der Leuchtturm macht zudem um 2 Uhr nachts sein Licht aus. Wer sich jetzt noch draußen zwischen den Riffen herumtreibt, ist anscheinend selber schuld. Es wird geradezu gespenstisch. Friedhelm bleibt die ganze Nacht draußen und friert erbärmlich. Sind wir nicht in den Tropen?
Reiner verweigert heute das Frühstück. Genauer gesagt, kriegt er den Kopf überhaupt nicht hoch. Der Wind hat sich aber deutlich gelegt und so segeln wir bei guter Brise die 33 SM nach Cayo Largo. Dort angekommen, erwartet uns türkisfarbenes Wasser, weiße Sandstrände, ein richtiger kleiner Hafen mit Piers zum Festmachen, ein WC und eine Dusche (1 Dollar), einen kleinen Laden (hier gibt es sogar Butter, aber kein Spüli), einen Souvenir-Shop und eine „Hafenbar“, in der es Bier oder Cola in der Dose gibt. Beim Sundowner geht es auch Reiner wieder gut. Wir beschließen, ein paar Tage zu bleiben. Mit dem Dinghy machen wir eine Ausfahrt zur Cayo Iguana, vorbei an Mangroven- und Schilfgürteln, zwischen Inselchen durch und an Korallenriffen vorbei. Es gibt viele Wasservögel. Die Leguane warten schon auf uns. Sie kommen sofort auf uns zu und fressen aus der Hand. Täglich kommen zahllose Ausflugsboote mit den Hoteltouristen der Insel hierher zur Fütterung der Urviecher.
Später erkunden wir die Umgebung um den Hafen von Cayo Largo. Es gibt eine Siedlung mit einem kleinen „Industriehafen“ – aber wo sind die Menschen – die Alten – die Kinder – die Frauen? Mein schlaues Buch lüftet das Geheimnis. Auf die Insel dürfen keine Cubaner, nur diejenigen, die dort arbeiten – und die sind natürlich in den Hotels. Es gibt auch keine Fährverbindung zum Festland. Die Touristen kommen mit dem Inselflugzeug – und sitzen dann fest in ihren 4-Sterne-Hotels „all inklusive“. Bei einem langen Strandspaziergang – die Insel hat einen 25 km langen Sandstrand – erkunden wir ein paar Hotelanlagen (es gibt ca. zehn) und müssen feststellen, dass der “Garten Eden” nur denjenigen offen steht, die eine „Hundemarke“ am Handgelenk tragen – jedes Hotel hat seine eigene Farbe. Unsere Dollars helfen hier nicht weiter. Wir sind und bleiben Zaungäste, zunächst jedenfalls. Vor jeder Ausfahrt zum Schnorcheln und Angeln melden wir uns ordentlich – mit Handschlag – beim Hafenkapitän und beim Zoll ab. Beim Einlaufen in den Hafen melden wir uns wieder per Funk an: Einchecken beim Hafenkapitän und beim Zoll, Papiere abgeben, Pässe, Crewlisten, Stempel, alles mit Handschlag, “buenas dias dottore” – Vorschrift ist Vorschrift.

Kuba Bootscharter: Egal welches Fortbewegungsmittel man wählt - alle sind alt und außergewöhnlich, aber charmant

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Nach drei Tagen steuern wir unser nächstes Ziel, die unbewohnte Insel Cayo Rosario an, die 25 SM weiter westlich liegt. Es ist herrliches Segelwetter, 20 kn Wind aus NE. Im Canal del Rosario fallen unsere Anker vor der romantischen, bewaldeten Inselkulisse. Wir sind hier nicht ganz allein, ein Franzose auf Langzeitfahrt liegt in der Nähe. Kaum sind wir fest, kommt auch schon ein Fischerboot auf uns zu. Nach dem üblichen Smalltalk mit Händen und Füßen (wir können doch kein Spanisch) über das Wetter kommt man rasch zur Sache. Sie wollten uns nichts verkaufen, das dürften sie offiziell ja nicht, aber gegen ein bisschen „ron“ hätten sie nichts einzuwenden, wenn wir dafür ein paar Lobster wollten. Unsere einzige Flasche Rum möchten wir nicht gern eintauschen, aber acht Dosen Bier geben wir gern ab – für acht Hummer. Unsere Fischer-Freunde sind hoch zufrieden, und unser Skipper-Koch strahlt übers ganze Gesicht.
Der Franzose ist weiter gesegelt, wir sind allein. Auf der Insel gibt es Reiher, Pelikane und andere Wasservögel und viele Spuren von Leguanen. Leider sehen wir keinen einzigen. Hier sind die Tiere nicht an Touristen gewöhnt und entsprechend scheu. Mit dem Dinghy fahren wir ans Riff zum Schnorcheln. Die Korallen sind nicht besonders schön, aber im flachen Wasser sehen wir mehrere Rochen, zwei Langusten hinter einem Korallenstock, viele bunte Korallenfische und wir entdecken unser Abendessen für den nächsten Tag: unzählige “Conches” (große Muscheln).
Wir verlegen die Mariposa um die halbe Insel herum in eine wunderschöne Bucht mit herrlichem Sandstrand auf der Südseite der Insel. Trotz des vorgelagerten Außenriffs steht leider eine ziemlich starke Dünung in die Bucht, aber das Panorama ist überwältigend schön. Von hier aus kann man mit dem Dinghy ans Außenriff zum Schnorcheln. Die Unterwasserwelt ist hier sehr vielfältig mit wunderschönen Korallenformationen, Fächerkorallen und Anemonen in allen Farben. Leider muss Kristiane alleine schnorcheln. Ich selbst habe keine Lust, Reiner ist zu müde (etwa schon wieder die ersten Anzeichen von Seekrankheit?) und Frieder denkt schon wieder ans Abendessen – er muss noch Conches ernten gehen.
Drei Tage auf einer einsamen Insel Robinson zu spielen, ist uns genug. Wir beschließen, nach Cayo Largo zurückzusegeln. Weiter nach Westen gibt es auch nur unbewohnte Korallenatolle und bis zur nächsten bewohnten Insel, Isla de la Juventud, wären es noch unerreichbare 80 SM. Da wir die ganze Strecke gegen den Passat zurücksegeln müssen, ist es ohnehin bald an der Zeit, den Rückweg anzutreten, zumal wir ja wissen, dass jederzeit heftige Fronten einbrechen können.
Am Heiligabend gegen 17 Uhr machen wir wieder im Hafen von Cayo Largo fest. Die Crew bekommt die mitgebrachten Plätzchen und Omas Früchtebrot. Wir hocken gemütlich beisammen und denken an unsere Lieben zu Hause. Wir möchten den Weihnachtstag am Strand in einer schönen Hotelanlage verbringen und abends gepflegt essen gehen. Das „Eden Village“ wurde uns zu diesem Zweck empfohlen. Also packen wir unseren Tagesrucksack mit dem „kleinen Schwarzen“ und machen uns auf den Weg. Aber es war leichter gesagt als getan. Nur dem großen Verhandlungsgeschick und der zähen Ausdauer von Reiner ist es zu verdanken, dass er nach mehreren Anläufen und um 5 USD pro Person erleichtert endlich doch mit 4 rosa Armbändchen am Strand erscheint und uns vor dem Verdursten rettet. Die all-inklusive-Welt steht uns von nun an offen. Fürs Abendessen lassen wir nochmals 10 USD pro Person unter dem Tresen verschwinden. Dafür werden wir ins nächste Strandrestaurant gebracht und genießen einen herrlichen Abend in zauberhafter Atmosphäre. Unser Weihnachtsessen auf kubanisch: Getränke nach Wahl, Aperitif, Wein, Bier, Kaffee. 1. Gang Garnierter Salatteller (Kraut mit etwas Tomate und Gurke). 2. Gang: Schweinebraten, Reis mit schwarzen Bohnen und eine Scheibe gedünstete Aubergine. 3. Gang: Guavekompott (sehr süß) mit einer Scheibe Schnittkäse
Auf dem Rückweg nach Cienfuegos sollte die Isla Ingles unser Übernachtungsplatz werden. Unterwegs werden vier Fische gefangen. Kristiane verhängt Angelverbot für den Rest des Tages, erst muss alles Essbare aufgegessen werden. Der Ankerplatz gefällt uns überhaupt nicht. Das Inselchen ist ein kahler Steinhaufen und der Ankerplatz ist völlig ungeschützt und heftigem Schwell ausgesetzt. Wir drehen ab und segeln weiter bis Cayo Guano del Este, das wir mit dem letzten Rest Tageslicht erreichen. Diesmal sind wir ganz allein hier. Die letzte Etappe mit 55 SM liegt vor uns – genau gegenan. Zum Glück bläst der Passat nur mit 8-10 kn, damit können wir guten Gewissens unter Maschine laufen. Noch ein letztes Mal genießen wir die Vorbeifahrt am Castillo de Jagua mit seiner malerischen Kulisse, dann überqueren wir die große Bucht von Cienfuegos und steuern den Hafen an.
Um 14 Uhr legen wir an. Der Törn ist zu Ende, aber nicht unser Cuba-Urlaub. Letzter Wermutstropfen: Frieder bekommt beim Verlassen des Hafengeländes sein GPS abgenommen. Jedes Gepäckstück wird durchsucht und sein „unauffälliger“ Rucksack natürlich ganz besonders gründlich. Das GPS ist aber nicht verloren, bei der Ausreise bekommt er es (hoffentlich) wieder. Nach dieser ersten erlebnisreichen Woche sind wir schon sehr gespannt, auf unseren Landurlaub auf dieser wunderbaren Insel.
Jost K.

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