Ostsee Yachtcharter: Die Boddengebiete sind ein Paradies für Vögel

Rügen rund, Peenestrom und Achterwasser

Eben fliegt vor meinem Fenster ein Fischreiher das Tal hinauf zu den Teichen. Die haben wir zwar bei unserem Segeltörn in Vorpommern selten gesehen (dafür viele Kormorane, Kraniche, Enten, Gänse, Schwäne …), aber er erinnert mich an das Wasser… wunderschön war es, rund um Rügen, fast nur Sonne. Nur drei mal mussten wir in der Kajüte frühstücken, alle restlichen 22 Morgen saßen wir in der Plicht. Und es war ein spannender Törn. Nach drei Eingewöhnungs-, Vorbereitungs- und Arbeitstagen segelten wir los: Stationen Vitte (Hiddensee), Glowe (an der Schabe in Rügen, ganz neue Marina), Saßnitz, Thiessow und Seedorf.

Ostsee Yachtcharter: Die Boddengebiete sind ein Paradies für Vögel

Ostsee Yachtcharter: Die Boddengebiete sind ein Paradies für Vögel

Die langen Segelschläge waren herrlich, das Kap und die Kreidefelsen des Königstuhls, der Wissoer Klinken usw. leuchteten bei wundervollem Wetter. Aber ganz problemlos war die Tour dann doch nicht, ich muss es leider gestehen: Von Glowe nach Saßnitz geht es immer an der Steilküste entlang erst nach Osten, dann nach Süden. Da habe ich auf GPS verzichtet. Als wir um die Ecke liefen, kam ein erster Ort in Sicht. Meine Frau Elke meinte, in der Karte stünde “sowieso-Ort”. Wir segelten gemütlich dran entlang, entzifferten per Fernglas Hotelnamen und “maritimes Museum” und liefen weiter gen Süden, auf moderne Anlagen zu. Da wurde ich misstrauisch und befragte mein GPS: Es wies für Saßnitz nach hinten. Das war bereits Saßnitz gewesen, “sowieso-Ort” war gar keiner … zurück und in den Hafen. Dort war es sehr unruhig von der Berufsschifffahrt.
Am nächsten Morgen pfiff der Wind in den Wanten und wir mussten genau gegenan. Also beschlossen wir zu motoren bis zur Südostspitze (Nordperd). Ich wollte nicht warten, weil der Seewetterbericht mehr Wind vorhergesagt hatte und wir mit dem kleinen Boot in Saßnitz gefangen gewesen wären. So motorten wir, setzten später Segel und liefen um das Südperd herum in den Greifswalder Bodden nach Thiessow. Zwar ist der Hafen selbst neu, aber in sanitären Angelegenheiten war man noch Gast bei den Fischern und lernte auf dem Wege Heringsfilettiermaschinen, Sortierbänder und andere Nirosta-Großmaschinen kennen.

Ostsee Charter: Königsstuhl - Rügen ist berühmt für seine Kreidefelsen

Ostsee Charter: Königsstuhl – Rügen ist berühmt für seine Kreidefelsen

Deswegen liefen wir am nächsten Tage wieder aus und segelten in die übernächste Bucht – fast ist man geneigt zu sagen Fjord, so wirkt die kammartig tief eingeschnittene Südküste des “Mönchsguts” – nach Seedorf. Dort wetterten wir in ländlicher Idylle den ersten Sturm ab. So kamen wir zu einem ausgedehntem Landgang: Wir fuhren z.B. mit dem Kurbus zum Seebad Sellin, von dort mit dem “rasenden Roland”, einem Schmalspur-Dampfzug (mit immerhin 10 Wagen!) zum südlichsten Bad in Rügen, Göhren, und zurück und genossen die Kuratmosphäre auf der berühmten Seebrücke von Sellin, die wir vorher von der Ostsee aus gesehen hatten. Für Elke gab es herrliche Spaziergänge.
Mit kräftiger Brise ging es weiter Kurs Süd quer über den Greifswalder Bodden genau auf Peenemünde zu und dann in den Peenestrom. Wieder mal Wind von Osten: Segeln von seiner schönsten Seite. In Karlshagen auf Usedom legten wir an: Moderne Marina und alter Fischerhafen zugleich. Am nächsten Tage ging es weiter, bis zur Brücke bei Wolgast, Landverbindung nach Usedom, unter Motor, dann wieder unter Segeln bis ins geschützte Achterwasser nach Zinnowitz. Versenkte Schuten bilden die Hafenwände, wir lagen längsseits und sehr geschützt hinter hohen Bäumen. Auch hier windete es nachts wieder heftig, so dass wir am nächsten Tag zunächst mal abwarteten. (Bei mehr als Beaufort 6 ist es für Senioren mit kleinem Schiff im Hafen gemütlicher). Mittags schipperten wir los und hatten einen wundervollen Segeltörn erst hart am Wind, dann voll und bei und schließlich mit nachlassender Backstagsbrise und Motorunterstützung (Dreieck gesetzt!) nach Wolgast. Direkt hinter der Brücke war der schöne Werfthafen – gähnend leer. Inzwischen war die Saison zu Ende.
Per Motor ging es am nächsten Tag gegen Wind, aber mit dem Strom wenige Seemeilen nach Kröslin. In dem ehemaligen Militärhafen, ein großes, geschütztes Becken gegenüber Peenemünde, hat eine Investorengruppe eine modernste Riesenmarina mit hervorragenden Services aller Art gebaut. Von hier aus haben wir die Gedenkstätte Peenemünde besichtigt, und zwar per Fähre. (Wegen der Nachsaison fuhr die übrigens nicht mehr von Kröslin, sondern vom benachbarten, sehr urigen Fischereihafen Freest. Wir waren froh, auch den kennengelernt zu haben.) Die Wehrmachts- und NVA-Hinterlassenaschaft in Peenemünde lohnt unbedingt einen Besuch. Die Ausstellung bemüht sich, sachlich zu informieren, einerseits über technische Höchstleistungen wie die Grundlage der Raumfahrt, andererseits über die Nazi-Hybris und Kriegsproduktionsbedingungen, die Grausamkeiten gegenüber Zivilbevölkerung und Fremdarbeitern. Es war dieses die zweite Besichtigung einer Hinterlassenschaft nationalsozialistischen Größenwahns: Die erste war der “Koloss von Prora” am Oststrand von Rügen, den wir vom Wasser und zu Lande ausführlich besichtigt haben: Eine atemberaubende, ungeheuerliche Bauhinterlassenschaft der “Kraft durch Freude”-Bewegung. (Auch der Besuch lohnt, übrigens auch der des nahegelegenen technischen Museums).
Leider ging es über den Greifswalder Bodden wieder Richtung Strelasund/Stralsund nicht so wie geplant: Zunächst liefen wir vor Peenemünde auf Grund (eindeutiger Navigationsfehler, der zweite!). Es dauerte anderthalb Stunden, bis wir uns aus dem Schiet befreien konnten. Die Zeit fehlte uns bei dem geplanten größeren Schlag nach Westen über den ganzen Bodden. Deswegen haben wir nur am Anfang gesegelt, dann aber bei nachlassendem Wind aufs Kreuzen verzichtet und sind schließlich (wieder mal) gegenan motort, zumal wir die Brückenöffnung am nächsten Abend erwischen wollten, denn die Windvorhersage drohte erneut mit Sturm. Deswegen haben wir auch auf einen Besuch in Greifswald verzichtet und die geschützten Gewässer des Strelasundes vorgezogen. Der ist übrigens dank der abwechslungsreichen Dünen- und Endmoränenlandschaft wunderschön und ein herrliches Segelrevier sowohl nördlich als auch südlich von Stralsund. Nach einer weiteren Übernachtung in Stahlbrode (neben der einzigen Rügenfähre), schipperten wir bei aufbrisendem Wind nach Stralsund. Dort machten wir vor der Brücke bei einem netten Segelclub fest, überprüften die Lampen für die Nachtfahrt und stärkten uns mit köstlichem Sild. Das Warten am Abend, warm eingepackt, und die Durchfahrt durch die Brücke nach 22 Uhr waren ein Erlebnis besonderer Art: “Wie Warten auf Silvester” meinte Elke. Um 22:30 Uhr legten wir wieder an der Nordmole an. Die Rundreise um Rügen war beendet.

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